Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 542

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-10-01
Page
542 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316724--12932-2333987
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

54! Im deutschen Reich. Klaffen der Juden zu verbessern. Mit Güte gelangt man immer zu erfreulichen Resultaten." Von dieser Güte merken die russischen Juden aber noch nichts, vielmehr sind sie schutzlos den ärgsten Mißhandlungen preisgegeben. In Rowno kam es in den letzten Wochen infolge eines Streites einiger Soldaten mit jüdischen Obsthändlern zu ernsten Ausschreitungen, bei denen viele jüdische Einwohner mißhandelt, mehrere jüdische Läden geplündert und einige Häuser vollständig demoliert wurden. In Sosnowice bewarfen rohe Burschen die Juden am jüdischen Neujahrsfeste mit Steinen; als sie sich wehrten, wurde dabei ein christliches Kind leichtverletzt, was das Gerücht hervorrief, die Juden hätten ein Kind getötet. Nun durchzogen Arbeitertrupps abends die Straßen, zertrümmerten die Scheiben jüdischer Wohn- und Bethäuser und der Synagoge sowie mehrerer Läden. Mehrere Juden, auch Frauen wurden vom Pöbel durch Steine und Messer verletzt. In Smiela im Gouvernement Kiew war am 4. September ein jüdischer Ladenbesitzer gegen eine Bauersfrau tätlich geworden, weil er sie im Verdacht hatte, daß sie ihm ein Tuch gestohlen habe. Eine Volksmenge rottete sich darauf zusammen und plünderte und verwüstete 96 Hauser und 142 Läden, die Israeliten gehörten. Als einige Juden auf die Christen Schüsse abgaben, wurde Polizei herbeigerufen, die von den Revolvern Gebrauch machte und zwei Personen verwundete. Am 5. September begaben sich mehrere hundert Eksenbahnarbeiter von der benachbarten Station Bobrinskaja trotz des Einschreitens der Behörden nmtelst Eisenbahnzuges nach Smiela, wo sie die Ruhestörungen erneuten. Zu ihrer Unterdrückung wurde nun Militär requiriert, das von der Waffe Gebrauch machte, wobei fünf Personen schwer und eine größere Zahl leicht verletzt wurden. Die Gemeinde von Smiela ist dadurch in großes Elend versetzt. Die Alliance hat zur Bestreitung der dringendsten Anforderungen dem Grundeigentümer von Smiela, Senator Grafen Alexis Bobrinsky, 5000 Frs. übermittelt. Auch der Hilfsverein der deutschen Juden hat zur Linderung des Elends eine ansehnliche Summe nach Smiela gesandt. Während der Mobilisierung kam es in vielen Teilen des Gouvernements Beffarabiens zu förmlichen Juden hetzen. Veranlaßt wurden diese antisemitischen Ausschreitungen meistens dadurch, daß jüdische Händler an die Truppen Lebensmittel und Getränke verkauften. Es ist kein Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen die jüdische Auswanderung aus den russischen Grenzprovinzen einett immer größeren Umfang annimmt und viele Dörfer bereits völlig verödet sind. Aber nicht nur die Juden verlaffen massenhaft das Land, für welches der japanische Krieg eine schwere und herbe Lehre sein könnte, wenn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.