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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 541

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-10-01
Page
541 (sequence 12)
Language
German
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Umschau. 541 mordes angeftrubelt und dem Mechaniker Schneider für die Erfindung des Schußgeldes auf Inden das -erste Exemplar der noch zu schaffenden Preßmedaille verliehen hätte." Oskar Blumenthal Hai die seltsame Begrüßungsrede Luegers durch das leider nur unter der Hand verbreitete Epigramm beantwortet: Wie taktvoll dieses Wort auch klang, Ein Mihlaut war es nicht: „Wir drücken beide Ohren zu, Wenn Herr Karl Lueger spracht." Auch der neue russische Minister des Innern, Fürst Swiatopolk- Mirsky, drückt den Juden gegenüber beide Augen zu und sieht dabei nicht, daß das von seinem Vorgänger angerichtete Elend unvermindert fortbesteht; er bemerkt auch nicht, daß sich die Juden Rußlands bei der Verkündung der angeblichen Reform beide Ohren zuhalten, weil sie doppelter Jammer erfaßt, wenn sie hören müssen, daß nichts Ernstliches geschieht, ihre schreckliche Lage zu verbessern. Aus dem Zaren- Erlaß, die Milderung der Judengesetze betreffend, geht deutlich hervor, daß die jüdischen Volksmassen, welche unter den am 3. Mai 1882 geschaffenen Beschränkungen gegen die Juden am meisten litten, von der Wohltat dieses Erlasses völlig unberührt bleiben. Für sie sind die Dörfer im Niederlassungsgebiete nach wie vor verbotenes Land. Die wirklichen Erleichterungen, welche der Erlaß den Juden gewährt, beschränken sich somit auf das lebenslängliche Wohnrecht von Frauen und Kindern privilegierter Juden im ganzen Reiche, auf die Nichtamr.'llierung von Verfügungen der Kontrolhöfe über den Beitritt von Inden zum Kaufmanns- und Kleinbürgerstande in den Städten der inneren Gouvernements, selbst wenn sie ungesetzlich erfolgt sein sollten, und noch auf einige unwesentliche Kleinigkeiten. Die lex Jgnatiw in Bezug auf die jüdischen Volksmaffen in Rußland hat der Erlaß demnach nichtaufgehoben. Dem Berichterstatter des „Echo de Paris* hat der neue russische Minister des Innern Rede gestanden und dabei u. a. offenherzig erklärt: „Große Aenderungen in der inneren Politik Rußlands sind von mir nicht zu erwarten; aber ich gedenke dem Programme zu folgen, das in der Kundgebung Seiner Majestät vom Februar 1903 ausgestellt worden ist. Indem ich mich auf die von unserem Herrscher gelegten Grundlagen stütze, werde ich nach bemühen, mein Vorgehen mit einem wahren und weiten Liberalismus zu durchdringen, soweit dieser Liberalismus nicht die feste Ordnung der bestehenden Einrichtungen zu ändern vermag . . . Ich bin kein Feind der Juden; aber wenn wir ihnen die absolute Freiheit wie den Orthodoxen geben, so würden sie bald zu einer zu großen Bedeutung gelangen. Ich bin jedenfalls entschlossen, ihnen gegenüber mich sehr wohlwollend zu zeigen und das Los der armen

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