Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 539 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 539 bet* sachlichsten und vornehmsten Weise ^geführt hätten. Dazu bemerkt die „Tribüne": „Das ist doch bei den Antisemiten ganz unmöglich. Gs beweist, an welcher Geschmacksverirrung die Herren neben anderen unangenehmen Eigenschaften noch leiden." Eines aberläßt sich diesen an tifcmitifcfyen Politikern nicht absprechen, eine zielbewußte Dreistigkeit, die cs einer verhältnismäßig geringen Anzahl kühner Schreier ermöglicht, sich zahlreiche und einflußreiche Kreise gefügig zu machen — um nicht den Ausdruck „übertölpeln" zu gebrauchen. Der künftige Geschichtsschreiber wird nicht umhin können, die Geschicklichkeit der kleinen Schaar zu preisen, die es so gut versteht, ihre rein „internationalen" Interessen durch schwungvolle „nationale" Phrasen zu fördern, ihre anarchistischen Neigungen und ihre unmenschliche Verfolgungssncht mit dem Mantel monarchischer und religiöser Gesinnung zu verhüllen. Er wird aber kaum vermeiden können, die, welche sich so leicht täuschen ließen, dem Spott der Nachwelt preiszugeben! Wie wenig die Volkswohlfahrt gedeiht, wo die antisemitischen Wortdrechsler berufen werden, ihre angepriesene Fähigkeit zur Dolksbeglückung zu erproben, z^igt sich in Oesterreich und ganz besonders in der österreichischen Reichshauptstadt. Die antisemitischen Blätter verhehlen zwar nicht, wie schlimm dort die Dinge stehen, schreiben aber nicht wie Wollenstem, „den größten Teil der Schuld dm unglückseligen Gestirnen", noch weniger ihrer Parteiwirtschaft zu, sondern den Nachwirkungen des doch längst überwundenen liberalen Regiments. Der Wiener Berichterstatter der „Deutsch - Sozialen Blätter" schrieb am I. September wörtlich: „E.ne traurige Rolle spielen im politischen Leben des dem Staatsbankerott zueilenden Oesterreichs die Fragmente der einstmals zum Unhul Wiens so mächtigen liberalen Partei.Jener Sturm, der den polnischen Schlachzizenpräsidenten Badem vom Ministerstuhl wegfegte, war ein mächtiger Impuls kommenden Lebens, der den Deutschen Oesterreichs — wir verstehen darunter die Radikalen schwarz-rot-goldener Couleur — ere erhebliche, ungeahnte Vermehrung von Reichsratsmandaten einbrachte, der aber leider die unheilvolle Gegnerschaft der beiden Anführer Wolf und Schönerer im Gefolge hatte und die Bestrebungen der Deutschen in Oesterreich schwer schädigte. Dessenungeachtet regt sich überall junges Reis an der alten deutschen Eiche, welches sich am besten in dem hartnäckigen Kampfe um die Vorherrschaft in Oesterreich z7igt. Wahrlich, das Ariertum kämpft in den vorgeschobensten Posten germanischer Kultur einen harten Kampf. ... Am Gold hängt eben alles, und so versuchen auch in der Reichs Metropole die Gewerkschaften flüssiges Geld in Konsumvereinen anzulegen. Es ist beinahe diese