Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 538 (sequence 9)
- Language
- German
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536 Im deutschen Reich. der Juden an und für sich nicht zu bedauern, denn sie waren in ihrem Bestreben, es mit keiner Partei zu verderben, unsichere Kantonisten des Deutschtums." Die „Nationalliberale Korrespondenz" ist zwar so freundlich hinzuzufügen, „daß die berichtigten jüdischen „Halsabschneider" immer mehr verschwinden, und daß „man auch auf jüdischer Seite heute fein Deutschtum immer entschiedener betont", aber das macht eine ungegründete Beschuldigung nicht wieder gut, die wohl in einem Ahlwardt-Moniteur, aber nicht in einem liberalen Organ Platz finden könnte! Wenn die Nationalliberalen aber auch jetzt noch nicht einsehen, daß „wahre nationale" Politik gemeinsam mit den Antisemiten nicht getrieben werden kann, ist dies kaum ververwunderlicher, als daß die Konservativen noch immer glauben, mit solchen antisemitischen Genoffen „konservative" Politik treiben zu können. Daß die „Deutsche Reformpartei" bei jeder Gelegenheit den konservativen Gönnern der Antisemiten ins Gehege kommt, unbekümmert darum, ob dabei die Aussichten. der von ihnen nur mit tönenden Phrasen bekämpften Sozialdemokratie sich stets verbessern Wird jedoch von denen nicht gesehen, welche das rote Tuch des Judenhaffes verblendet. Selbst die antisemitische „Deutsche Ztg." rügt die Aufstellung des Rechtsanwalts vr. Wohlfahrt in Genthür als Sonderkandidat der „Deutschen Reformpartei" für die Reichstagsnachwahl in dem bisher von dem Fürsten Herbert Bismarck vertretenen Kreise Jerichow I und II und macht darauf aufmerksam, daß - wenn — wie zu erwarten steht — noch ein konservativer Kandidat ausgestellt wird, der Sozialdemokrat mit dem freisinnigen Kandidaten, Lehrer Mertens, zur Stichwahl gelangen dürfte. Was kümmert dies aber Politiker, denen nur in der Rede, aber nicht in der Tat das Vaterland höher steht als die Partei? Bei der Reichstagsstichwahl im Kreise Schaumburg-Lippe ist allerdings der „konservative" Amtsgerichtsrat Dr. Brunstermann - Stadthagen mit einer ansehnlichen Stimmenmehrheit gegen den Sozialdemokraten Klingenhagen-Herford gewählt worden, aber der durch den Tod des Abg. Deppe erledigte, bisher liberale Wahlkreis, in dem bei der Wahl am 16. Juni IDO" nur 375 antisemitische Stimmen gezählt worden sind, wäre sicher nichl der antisemitischen Partei ausgeliefert worden, wenn sich nicht selbst die Nationalliberalen für den „angeblich" konservativen Kandidaten mit ins Zeug gelegt hätten. Nicht ohne Grund verspottet die Erfurter „Tribüne" die von dem Abg. Zimmermann auf dem Reformen Parteitage in Dresden aufgestellte Behauptung, daß die Slntcfemiten bei der Reichstagsersatzwahl in Marienberg-Zschopau den Kampf in