Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 534 (sequence 5)
- Language
- German
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534 Fm deutschen Reich. „ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht" im Abnehmen begriffen ist, beweisen die sich häufenden Versuche größerer handwerklichen Organisationen, ihre eigenen Angelegenheiten selbständig zu erörtern und zu vertreten. In Magdeburg fand am 29. und 30. August der Allgemeine Deutsche Handwerker- und Jnnungstag statt, in Lübeck am 6. September der fünfte Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag, am 18. September der Jnnungsverband deutscher Baugewerksmeister und in den letzten Wochen weitere Handwerkertage in Kreuznach u. a. O. Es steht zu hoffen, daß der deutsche Mittelstand durch solche rein berufliche Beratungen zu ersprießlicheren Ergebnissen gelangen wird, als wenn er weiterhin blindlings den Weisungen einer extremen politischen Partei Folge leistet und seine besten Kräfte in einem kulturwidrigen Kampf vergeudet, der nur von dem Raffen- und Religionshaß geschürt wird, niemals aber dazu führen kann, auf den Trümmern aller Errungenschaften der modernen Technik die mittelalterlichen Zunftverhältnisse wieder herzustellen. Nach dem Magdeburger Handwerkertage wurde ofstziös geschrieben: „Das Handwerk dürfte gut tun, sich wegen des allgemeinen Befähigungsnachweises Illusionen nicht hinzugeben. Die Regierungen stehen nach wie vor auf jenen! ablehnenden Standpunkte, und solange dies der Fall ist, ist doch an die Einführung nicht zu denken." Der Oberprästdent von Sachsen, von Bötticher, erklärte in der Sitzung der Handwerkerkammer in Magdeburg, er habe sich schon in den neunziger Jahren gesagt, daß das Handwerk nach alter Väter Weise nicht gehoben werden könne und sich durch Zusammenschluß und beffere Lehrlingsausbildung selbst helfen müsse. Wenn die antisemitischen Parteiführer nicht so geschickt das leider vielen eingeimpfte Vorurteil gegen die Juden benutzten, um die seit der Emanzipation und Freizügigkeit etwas vermehrte Zahl der Konkurrenten auf manchen gewerblichen Gebieten als einzige Ursache des Niederganges des Handwerkes hinzustellen, so würden die Handwerker längst sich der Meinung des Herrn von Bötticher angeschlosien und durch verständnisvolles Anpaffen ihrer Betriebe an die neuzeitlichen wirtschaftlichen Verhältniffe ihre Lage selbst verbessert haben. Daß ste nicht weiter kommen, wenn sie sich zum „Stimmvieh" für die antisemitische Fraktion erniedrigen und ihre sauer erworbenen Markstücke für die Kosten politischer Parteiorganisationen opfern, hätten sie längst einsehen muffen. Der sozialdemokratische „Vorwärts" berichtete kürzlich, der Regent von Koburg und Gotha habe den Bäckermeistern Gothas, die bei ihm gegen die unlautere Konkurrenz der sozialdemokratischen Genossenschaftsbäckereien Schutz suchten, kurz und