Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 535 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. :>3r> kühl geantwortet: „Schafft euch doch auch Maschinen an!" Die Sozialdemokratie hat diesen Ausspruch des Regenten auf den Staatsminister l>r. Hentig Zurückgefuhrt und ihm für diese moderne Auffassung unverhohlen Anerkennung gezollt. Dazu bemerkt die „Staatsbürger-Zeitung": „Wer Exzellenz Heutig noch als Berliner Anwalt und als Mitglied der gut antisemitischen Berliner Bewegung kennt, wird sich über seine jetzige staatsmännische Auffassung doch wohl wundern, noch mehr aber darüber, daß vr. Hentig in einflußreichen Berliner Kreisen als der moderne Staatsmann gilt, der schon längst Minister oder Staatssekretär in Berlin wäre, wenn er nicht zu sehr an Gotha hinge, wo seine Popularität so groß ist, daß man sogar Ansichtspostkarten mit seinem Bildnis vertreibt." Herr Dr. Hentig hat eben als koburg-gothaischer Minister nicht mehr nötig, zu Gunsten der antisemitischen Parteikasse und der antisemitischen Wahlpolitik den Handwerkern unmöglich zu erfüllende Versprechungen zu machen! Auch die Zentrumspartei stellt sich vielfach, anscheinend aus Gründen der Wahlpolitik, als Gönnerin der zünftlerisch-gesinnten Handwerker hin und scheut sich dabei nicht, gelegentlich auch durch antisemitische Kundgebungen sich volkstümlich zu machen. Der klerikal-antisemitische Münchener Gemeindebevollmächtigte Hermann war der Leiter einer öffentlichen Protestversammlung, in der die Zurückweisung des Gesuches der christlich-sozialen Vereinigung um Maßnahmen zur Beschränkung der Judeneinwanderung in Bauern durch die städtischen Kollegien scharf gegeißelt wurde. In der zur Annahme gelangten Resolution wurde gesagt: „Die Anwesenden sprechen der städtischen Verwaltung und ihrer Finanzwirtschaft die schärfste Mißbilligung aus und geloben, alles aufzubieten, damit bei den nächsten Gemeinde- Wahlen nur wahrhaft bürgerfreundliche und im christlich-sozialen Sinne tätige Gemeindevertreter gewählt werden." Von dem Leiter dieser Bewegung schreibt der „Fränkische Courier": „Hermann ist bekanntlich ein antisemitischer Zentrumsmann; seine politische Bedeutung ist hochgeschätzt gleich Null." Von diesem Antisemiten sagt ferner die sozialdemokratische „Münchener Post": „Der brave Herr Herrmann ist ein ganz prachtvoller Zentrumstyp: Freiheit für alle, d. h. alle Katholiken, im übrigen aber macht rigorose Ausnahmegesetze, soviel ihr wollt; wir werden stramm dabei sein. Die galizischen Juden, die Aermsten der Armen, die sollen aus Deutschland verbannt werden, es soll verhindert werden, daß sie sich eine menschenwürdige Existenz gründe^. die jedenfalls nicht so armen Jesuiten müssen uns aber hochw? Pmmen sein. Das ist Zentrums-