Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 533 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 633 jüdischen Stammes, Verbot der Einwanderung fremder Juden, Erlaß eines Schächtverbots, wissenschaftliche Prüfung der jüdischen Religionsvorschriften und deren Uebersetzung ins Deutsche." Nach längerer Besprechung beschloß man. die Angelegenheit dem nächsten Parteitage zu übergeben. Den breitesten Raum hatten bei den Verhandlungen des Dresdener Parteitages die Erörterungen über die „Mittelstandsretterei" eingenommen, so daß für Beratungen der vorerwähnten Aenderungen des Parteiprogrammes die Zeit zu knapp geworden war. In einem breitschweifigen Vortrage über ,die Aufgaben der deutschen Mittelstandspolitik" hatte der Abg. Oswald Zimmermann die Notwendigkeit erörtert, die deutsche ReformparLei sich als die Partei erweisen zu lasten, welche berufen sei, die berechtigten Interessen des Mittelstandes zu vertreten. Daß dabei die streitbaren Mannen der „Staatsbürger-Zeitung", Bruhn, Werner undKammer, kräftig sekundieren würden, war vorauszusehen: auch Herr Schneidermeister Donner, der s. Z. Herrn Bruhn in der Veranstaltung von Pückler-Versammlungen abgelöft hatte und der als Agitator für Schächtverbote bekannte Abg. Fröhlich-Potsdam sowie der Kaufmann Warthemann-Berlin als Vertreter des „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes" stimmten darin überein, daß „der Mittelstand bisher von der sozialen Gesetzgebung keinen Pfifferling gehabt habe" und nur von der Tätigkeit der antisemitischen Abgeordneten bessere Zeiten erwarten könne. Sie setzten denn auch glücklich die Annahme des Antrages durch, „die Parteileitung zu ersuchen, auch in Zukunft ebenso wie bisher bei jeder passenden Gelegenheit und unter aüen Umständen in der Mittelstandsfrage und in der Judenfrage energisch der Regierung gegenüber den reformerischen Standpunkt zu wahren". Das Fritsch'sche Wort von dem „bloßen Versammlungsrummel und wohlfeilen Schlagworten" kam also reichlich zur Geltung. Daß aber mindestens vorübergehend solche Schlagworte noch immer bei einer gewissen Zuhörerschaft zündend wirken, hatte schon gleich anfangs in der Begrüßungsrede die stolze Aeußerung Zimmermanns bewiesen: „Wir können uns freuen, in der Zeit des Automobilkurses, der Juchheidi- und Juch- Heida-Politik, daß die Reformpartei der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist, um die sich sammeln können alle die Elemente, die mit uns kämpfen wollen für des Volkes und Reiches Herrlichkeit." Daß in den Handwerkskreisen, die bereits so viele Opfer an Zeit und Geld für die sich ihnen seit Jahren als Beschützer aufdrängenden Reformer gebracht haben, ohne von den verheißenen Segnungen etwas zu spüren, das Vertrauen auf den antisemitischen