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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 531

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-10-01
Page
531 (sequence 2)
Language
German
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Umschau. 5.11 semitische Masse mußte erkennen lernen, daß der bloße Dersammlungsrummel und wohlfeile Schlagworte in Reden und Zeitungen nicht ausreichen, um eine große Geistesbewegung durchzuführen. Dazu gehören „tiefere Kräfte." Noch vernichtender klingt seine wirklich zeitgemäße Mahnung: „Seien wir so vernünftig, erst einmal in den eigenen vier Pfählen gute Zucht und Ordnung zu schaffen — es bleibt da wahrlich noch viel zu tun übrig!" Etwas von der geforderten Einkehr ist bereits in den neueren Kundgebungen der antisemitischen Fraktionen zu bemerken. In dem Programm der deutsch-sozialen Partei, wie sich dasselbe nach den am 14. August in Nordhausen gefaßten Beschlüffen gestaltete, nimmt die sogen. Judenfrage sowohl in den „Grundsätzen" als auch in den „Forderungen" nur noch den letzten Platz ein. Der Satz, in dem die angebliche „Notwendigkeit des Kampfes gegen den immer mehr überhand nehmenden Einfluß der Juden" betont wird, macht nur den Eindruck einer landläufigen Redensart und das, was als 21. und letzte „Forderung" zu diesem Endziel aufgestellt wird: „Fernhaltung der Juden von einzelnen Berufen, Verhinderung der Aenderung jüdischer Familiennamen, Verbot der Einwanderung von Juden, wissenschaftliche Prüfung der jüdischen Religionsschriften und deren Übersetzung ins Deutsche, Führung einer Statistik über die in Deutschland lebenden Personen jüdischen Stammes" macht den Eindruck, daß damit nur offene Türen eingestoßen werden. Der Ausschluß vom Offizierstand ist eine vollzogene Tatsache; die Zulassung zum Richterstande, zum Notariat, zu dem Beruf des Lehrers an öffentlichen Schulen ist schon jetzt eine ziemlich beschränkte. Gegen die Verhinderung der Aenderung jüdischer Familiennamen nach vorheriger Taufe läßt sich nichts einwenden, und ohne Taufe wird die Erlaubnis höchst selten erteilt, hoffentlich auch selten nachgesucht. Die jüdischen Religions- Vorschriften sind bereits vielfach ins Deutsche übertragen; eine „wissenschaftliche" Prüfung derselben haben die Juden nicht zu scheuen, denn wenn die Prüfung wirklich »wissenschaftlich" ist, wird sie nicht antisemitisch, sondern unbefangen sein. Diese Nr. 21 des deutsch-sozialen Programms klingt immer noch judenfeindlich genug, zeigt aber doch ebenso wie die vorausgehenden Zwanzig anderen Programmpunkte, daß die Gefolgschaft Liebermanns von Sonnenburg viel Waffer in ihren Wein gegoffen hat. Das Verhalten der Deutsch-Sozialen ist unschwer aus der Erkenntnis zu erklären, welche die „Deutsche Zeitung" Friedrich Langes in den Worten kundgibt: „daß die Anzahl derjenigen Deutschen immer beschränkt bleiben wird, die geneigt sind, alle politischen Erscheinungen,

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