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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 530

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-10-01
Page
530 (sequence 1)
Language
German
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530 Im brutschen Reich. Umschau. Mie ältesten Bannerträger der antisemitischen Bewegung in Deutsckland, Wilhelm Marr und Th. Fritsch, haben in den letzten Jahren kein Hehl daraus gemacht, daß sie jede Gemeinschaft mit gewissen Elementen, die in dieser Bewegung im Laufe der Zeit aufgetaucht und auf den Schild gehoben worden sind, ablehnen, weil sie von ihnen eine Schädigung der Sache erwarteten. Die beiden alten antisemitischen Schriftsteller konnten es aber nicht verhindern, daß ihre ältesten Erzeugnisse von dem in schroffer Weise abgelehnten Epigonen als Weisheitsquelle benutzt und mit Kommentaren versehen wurden, die dem derzeitigen Bedürfnis der Partei oder ihrer jetzigen Führer entsprechen. Wilhelm Marr ist kürzlich gestorben, kann also gegen dieses Treiben nicht protestieren und muß es sich auch gefallen lassen, daß die ihm höchst antipathisch gewordenen Genossen, die ihm kürzlich in kühlster Weise ein „Leicht sei ihm die Erde!" nachriefen, einen schweren Stein auf sein Grab stellen, um ihn als ihre Autorität zu reklamieren, und daß sie im Hamburger „Deutschen Blatt" Marrs Jugendschrift „Der Sieg des Judentums über das Germanentum" nach ihrer Methode ausschlachten. Th. Fritsch lebt aber noch; er war 10 Jahre der Bewegung, die er mit seinem r9lntt' semiten-Katechismus" und seiner „Antisemitischen Korrespondenz" ge> fördert hatte, grundsätzlich fern geblieben, ist aber neuerdings als Herausgeber des „Hammer" wieder hervorgetreten. Voraussichtlich wird er nicht verhindern können, daß die von ihm Zurechtgewiesemn ihm ebenso wie dem verstorbenen Marr mitspielen, seine Strafpredigten unbeachtet lassen und aus seinen früheren Schriften fernerhin entlehnen, was ihnen in den Kram paßt und ihr „Geschäft" fördert. Immerhin ist es für Andere beachtenswert, wenn ehemalige kühne Zauberlehrlinge sich im Alter den antisemitischen Führern von heute gegenüber zu dem Rufe gedrungen fühlen: „Stock, der du gewesen, stehe wieder still!" Zn einem offenen Briefe an den Herausgeber der „Sachsenschau", Faßhauer, schreibt Fritsch: „Die anti-

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