Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Elias Jakob, Walter Seligmann und der Glaubenswechsel
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 519 (sequence 3)
- Language
- German
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Elias Jakob, Walter Seligmann und der Glaubenswechscl. 519 aber der glaubenstreue Jude wird dadurch nur zu größerem Tatenbrar.ß, zur Tüchtigkeit und Selbstzucht angespornt und vor einem entnervenden Phäakentum bewahrt. Er erreicht dadurch vielleicht später aber sicherer Besseres, mindestens höher' Achtung bei Andersgläubigen als der Ungetreue, der seine religiöse Ueberzeugung verschachert und zur Beschwichtigung der unfehlbar eintretenden Reue immer tiefer Ln Unwahrheit, Unfreiheit, Gewinn- und Genußsucht und Strebertum verfwxlt Wenn jetzt der Staat im Widerspruch mit Derfasiung und Gesetz den Juden noch den Zugang zu verschiedenen Berufen erschwert oder unmöglich macht, ihn aber um den Preis einer bedenklichen Charakterlosigkeit, der Opferung der religiösen Ueberzeugung, frei gibt, so schadet er sich am meisten. Er beraubt sich selbst der Mitarbeit fähiger, charaktervoller Männer, wie sie heutzutage nicht allzu häufig vorhanden sind, und zieht dafür Mitarbeiter heran, auf deren Treue er kaum bauen kann, weil sie ihm nur durch einen Akt der Untreue näher getreten sind. Es wäre vermessen, zu behaupten, daß niemals ein Jude aus Ueberzeugung zum Christentum übergetreten sei; das Gegenteil ist möglich, wenn jemand ungenügenden jüdischen Religionsunterricht genoffen, von der Ethik des Judentums, dem Schrifttum und der Geschichte der Juden wenig oder nichto erfahren, den Segen eines geordneten und gemütstiefen jüdischen Familienlebens nie kennen, gelernt hat. Gegen solche Konvertiten muß der Tadel verstummen; sie haben nichts aufgegeben, weil sie nichts besessen haben, und wenn sie im Christentum seelische Befriedigung finden, dann wohl ihnen! Was uns aber zur energischen Abwehr herausfordert, ist das Treiben jener Männer, die sich garnicht scheuen, offen zu bekennen, daß sie nur aus äußeren Gründen Christen werden und sich nicht von dem heberen Werte der Religion überzeugt haben, die sie öffentlich bekennen wollen. Diese Abwehr ist keine Folge des Fanatismus, sondern reine Notwehr, denn die Fahnenflüchtigen, welche durch ihre Flucht den inneren sittlichen Halt verloren haben, geraten leichter als andere aut Abwege, und dann werden ihre Fehler nicht nur von den Rasseanüsenriten schlechtweg der jüdischen Gesamtheit angerechnet, welche jene doch öffentlich verleugnet haben. Solcher Ungerechtigkeit wachen sich dann leider selbst Christen schuldig, welche infolge ihrer sonstigen Gläubigkeit die Kraft der Taufe und die Einwirkung der christlichen Ethik auf das Verhalten der neuen Bekenner höher anschlagen müßten! Die Berliner Jüdische Gemeinde hat kürzlich eine trübe Erfahrung gemacht, welche derartige Betrachtungen unwillkürlich hervorruft. Einer ihrer Beamten, Pr. Fromer, der als Bibliothekar eine Der-