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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 518

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
Elias Jakob, Walter Seligmann und der Glaubenswechsel
Date
1904-10-01
Page
518 (sequence 2)
Language
German
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518 Im Deutschen Reich. Glauben erzogen worden sind. Nicht ohne Grund bildet die 23c* freiung aus der ägyptischen Sklaverei den beständig gesegneten Ausgang des Judentums; nicht umsonst haben die Altrabbinen betont, daß, wer die verhältnismäßig leichten Lasten der jüdischen Religion abstreift, weit schwerere weltliche Lasten auf sich nehmen müsse. Sie waren offenbar davon überzeugt, daß ein solcher Schritt den Menschen zum Sklaven äußerer Berhältniffe mache, zur „Unfreiheit" führe. Trotzdem hat es zu allen Zeiten Juden gegeben, die nicht nur diesen verhängnisvollen Schritt unter der falschen Voraussetzung getan haben, sich dadurch zur politischen und gesellschaftlichen Gleichheit und Freiheit durchzuringen, aus einer nahezu rechtlosen Stellung m öffentlichen Leben zur vollständigen Gleichberechtigung zu gelangen, aus altertümlichen, den neuzeitlichen Schönheitsbegriffen nicht mehr völlig entsprechenden Kultusformen sich zu künstlerisch verklärten, ästhetischen religiösen Begriffen zu erheben. Viele dieser Konvertiten haben aber später eingefehen, daß sie das, was schon m Jahrtausenden die Griechen vergeblich als das„Ivalokn£athos"-3t>eal, eine Verschmelzung von „gut" und „schön" erstrebten, auch nicht ir der neuen Religion gefunden, oder das dabei vielleicht teilweise Er reichte zu teuer erkauft hätten. Die meisten Abtrünnigen haben bie* aber niemals eingestanden oder eingestehen wollen; sie haben jick soweit sie gemütlos waren, in die vorderste Reihe der Gegner ihrei früheren Glaubensgenoffen gestellt, oder letztere zu überzeugen gesucht daß sie selbst in ihrer neuen Glaubensgemeinschaft die ersehnte Befriedigung gefunden hätten, daß die Juden garnichts Befferes tu« könnten, als denselben Weg einzuschlagen. Vor den Lockungen dieser aus unserer Gemeinschaft fteiwillig ausgeschiedenen Leute sich zr hüten, ist in unserer Zeit ein dringendes Bedürfnis. Eine alte Fabe erzählt, ein Fuchs, der in ein Fangeisen geraten war und, sich gewaltsam losreißend, dabei den Schwanz verlor, habe den Verlust dadurck verschmerzen wollen, daß er andere Füchse zu überreden suchte, sich freiwillig des Schwanzes zu entäußern, der ihnen nur hinderlich irn! keineswegs eine Zierde sei. Die Füchse hätten aber den schlimmes Berater mit Schimpf und Schande fortgejagt. Gleiches h^be; charaktervolle Juden bisher stets getan und werden sie auch künftig tun, wenn ihnen ein ehemaliger Glaubensgenosse mit allerlei Sä-ein gründen anempfiehlt, seinem Beispiel zu folgen und sich des Irden tums zu entäußern^ das er als keine Zierde, sondern als ein überflüssiges und nur Mißachtung bringendes Hindernis gnzusehe.- - vorgibt. Wir wissen es besser; das jüdische Bekenntnis stmg bei der jetzigen widrigen Zeitströmung vielen das Fortkommen erschweren,

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