Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 474 (sequence 9)
- Language
- German
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4?4 Im deutschen Reich. gleichgiltig, mit Leuten gleichgestellt zu Weeden, welche den Antisemitismus offen bekennen, mit ihm prunken oder — Geschäfte machen. Vielen Konservativen, die bisher oft mit den Mitgliedern deS frühem Deutschen Antisemitenbundes geliebäugelt haben, ist dazu merklich die Lust vergangen. In der „Schlochauer Kreiszeitung" beklagten sich neuerdings Freunde des antisemitischen Vertreters des Reichstags- Wahlkreises Schlochau-Flatow bitter darüber, daß der Abg. Böckler von den dortigen Konservativen „geschnitten" werde, daß diese cs ängstlich vermieden haben, den von ihm an meh^ren Orten des Kreises abgehaltenen Versammlungen beizuwohnen, „während sogar jüdische Mitbürger es sich nicht haben nehmen lasten, bei dem Berichte ihres schärfsten Gegners, der aber jetzt ihr Reichstagsvertreter ist, zugegen zu sein." Das sei einfach „eine unbegreifliche Unhöslichkeit". Diese sich auch in anderen Kreisen bemeikbar machende Neigung der vornehmen Gesellschaft, die radikalen Antisemiten nach dem Rezept Heinrich Heines zu behandeln: „Blamier' mich nicht, mein schönes Kind und grüß' mich nicht Unter den Linden", scheint den geschäftstüchtigen Besitzer der „Staatsbürger-Zeitung", W. Bruhn, nicht nur zu der Lossagung von dem Grafen Pückler bewogen, sondern nach einer Meldung der „Deutschen Hochwacht" auch zu einem Wechsel im Redakttonspersonal veranlaßt zu haben. Der Abg. Böckler soll aus der Redaktion ausgeschieden, der Redakteur Kammer auf unbestimmte Zeit beurlaubt sein. Die Redeblüten, die Graf Pückler auf dem Blumenfeste des „Allgemeinen Vereins der Gewerbetreibenden Deutschlands" in der Brauerei Fricdrichshain an einem der letzten Julitage den Handwerkern und Arbeitern spendete, sind dem Vereinsvorstand wohl auch zu bunt gewesen. Der Verein soll endlich zu der Erkenntnis gekommen sein, daß mit solchen Brandreden die Errettung des Mittelstandes doch nicht erreicht werden könne. Der Vereinsvorstand hat daher den mit dem Grafen abgeschlossenen Dertrag aufgehoben, worauf Graf Pückler nach seinen heimatlichen Gefilden in Klein-Tschirne zurückgefahren ist. Dort dürfte er darüber nachsinnen, wie es die »verfluchten Asiaten" angefangen haben, einen seiner Verwandten zu Unsitten zu verlocken. Am 2. August hatte sich nämlich der Major a. D. Graf Georg Pückler in Halle wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt und widernatürlicher Unzucht vor dem Kriegsgericht der 8. Division zu verantworten. Als Zeugen in dieser Sache waren Hoteliers, Kellner und Burschen sowie ein Dienstmädchen des Angeklagten geladen, der in voller Uniform, vom Major Wolkenhauer geführt, den Gerichtssaal betrat. Vor Verlesung der Personalien beantragte Major Wolkenhauer Aufhebung der Oeffent-