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Im deutschen Reich · 1904-09-01 · Heft 9 (September 1904) · p. 472

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 9 (September 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-09-01
Page
472 (sequence 7)
Language
German
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Im deutschen Reick. 472 wir Herrn Schönstedt, den Justizminister, getaufte Juden ebensowenig Richter werden zu lassen wie andere." Daß es bezüglich der Auslegung des Artikels 4 der preußischen Verfassung' in andern Ressorts nickt besser bestellt ist als in dem Justizfach, hat der Minister vr. Schönstedt s. Z. in der Kammer nicht mit Unrecht betont. Gerade das von ihm vertretene Ressort ist aber zunächst berufen, als Schutzwehr für die Rechtsgleichheit vorbildlich zu wirken. Bei dem Empfange der südwestafrikanischen Farmer-Abordnung hat am ll. August der Kaiser selbst ausdrücklich daran erinnert, daß er „an der Spitze eines verfassungsmäßig regierten SLaatswefens stehe"; umsomehr wäre es Sache der verantwortlichen Minister. sich dirses Umstandes stets zu erinnern und sich, auch ohne Anregung von allerhöchster Seite, angebliche „Imponderabilien" genauer zu prüfen, da sie schlechterdings mit Verfassung und Gesetz nicht in Einklang zu bringen sind und auch durch keine „Staalsraison" gerechtfertigt werden können. Daß auch nicht immer in den Ministerien die „Imponderabilien" ins Gewicht fallen, hat vor einiger Zeit die Beförderung eines Juden zum Oberlandesgen'chtsrat, und neuerdings die Ernennung unseres Vereinsmitgliedes, des Chefs des Konstruktieus-Bureaus der Firma Ludwig Loewe & Co., Dr. iv§. Georg Schlesinger, zum etatsmäßigen ordentlichen Professor an der hiesigen Tecknischen Hochschule bewiesen. In seinem eurrienlum' vitae hat Dr. Georg Schlesinger elklärt, daß er Jude sei; außerdem wird versichert, daß das Kollegium, welches den Beschluß seiner Ernennung einstimmig faßte, die Ueberz-mgung hatte, daß er niemals dem Glauben seiner Väter untreu werden würde. Die Hoffnung, daß nun das Eis gebrochen sei und für jüdische wissenschaftliche Autoritäten künftig an allen deutschen Hochschulen die ordentliche Professur auch ohne Verleugnung der religiösen Ueberzeuzung zu erreichen sein werde, hegen wir deshalb durchaus noch nichts Auch in diesem Falle wird eine Schwalbe noch keinen Sommer machen. Dauert aber auch auf diesem Gebiete der „Winter unsres Mißvergnügens" noch länger an, so werden die deutschen Hochschulen davon den größten Nachteil haben. In Frankfurt a. M. verstarb am 5. August einer der bedeutendsten Pathologen, welcher der medizinischen Wissenschaft große Dienste geleistet hat und jeder medizinischen Fakultät zur Zierde gereicht hätte, der Geheime Medizinalrat Professor Karl Weigert. Zuerst in Breslau, dann in Leipzig der Mitarbeiter Cohl.heims, auf dessen drn gende Veranlassung die sächsische Regierung 1879 Weigert zum außerordentlichen Professor ernannte, blieb diesem

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