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Im deutschen Reich · 1904-09-01 · Heft 9 (September 1904) · p. 471

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 9 (September 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-09-01
Page
471 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 471 auf gewisse Aeußerlichkeiten gesehen." Die „Breslauer Morgenzeitung" schrieb von dem Minister: „Wenn seine Versuche, fiir alle Zeiten ein Richtertum zu schaffen, dessen soziale Grundnatur und Auslese den schneidig-feudal-militaristisch-polizistischen Geist verbürgen sollte, keinen Erfolg gehabt haben — wir erinnern an den „Assessorenparagraphen" —, so war dies das Verdienst des Abgeordnetenhauses, deffen Zentrumspartei in diesem Punkte eine erfreuliche Zuverlässigkeit erwiesen hat. Das Korpsstudententum hat bei uns ausnehmend gute Tage, die besten irn Verwaltungs- und Justizdienst, in welch' letzterem Herr Schönstedt ein verständnisvoller Förderer der gewissen Strömungen zum Besten der Herren vom Korps war. Umsomehr mußten die jüdischen Richter bei Anstellungen, Beförderungen und Versetzungen zurücktreten. Allerdings hat Herr Schönstedt im Abgeordnetenhause erklärt, er sei kein Antisemit. Nun ja, die Geschmacklosigkeit des Besuches von gräflich Pücklerschen Vorstellungen braucht man Herrn Schönstedt nicht zuzutrauen. Aber die inbrünstige Schwärmerei der GeschäftsanLisemiLen für Herrn Schönstedt war nicht so ganz von ungefähr. Es ist berichtet worden, daß er mit wohlwollenden Tatversuchen zu Gunsten der Antisemiten an einer höheren Stelle keine Gegenliebe gefunden hat. Daß er inbetreff der angemessenen Berücksichtigung jüdischer Gerichtspersonen „Vorsicht und Zurückhaltung übte", d. h. die verfassungsmäßige Gleichheit in gemäßigt antisemitischem Sinne auslegte, wird füglich nicht bestritten werden können." — Eine charakteristische Illustration zu der Bestimmung der preußischen Verfassung im Artikel 4: „Alle Preußen sind vor dem Gesetz gleich, Standesvorrechte finden nicht statt; die öffentlichen Aemter sind unter Einhaltung der von dem Gesetze festgestellten Bedingungen für alle dazu Befähigten gleich zugänglich," liefert folgende Mitteilung des „Berl. Tagebl.": „@ut Berliner Justizrat, der auf tragische Weise ums Leben kam, hinterließ zwei Söhne, die beide Juristen sind und die Richterlaufbahn eingeschlagen haben. Aber während der ältere etwa IOV2 Jahre auf feine Anstellung warten mußte, ist der jüngere nach V/2 Jahren oder, unter Hinzurechnung seiner Militärdienstzeit, nach 2% Jahren als Richter angestellt worden. Und welches ist der Grund dieser so verschiedenartigen Behandlung zweier übrigens gleichbegabter Brüder? Der ältere Bruder ist noch Jude, während der jüngere getauft ist." Das Hamburger antisemitische „Deutsche Blatt" wurde durch diese Mitteilung sofort zu der Aeußerung ermutigt: „Da es nicht am Platze ist, zwischen getauften und ungetaufren Juden irgend einen Unterschied zu machen, bitten

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