Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Jüdische Unteroffiziere
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 455 (sequence 3)
- Language
- German
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Jüdische Untcrofnjicrc. 455 nähme erforderliche Konfirmationsschein — oder die Bescheinigung über den Empfang der ersten Kommunion — nicht vorgelegt werden konnte.") Der Beschwerde wurde keine Folge gegeben, weil nach den amtlichen Feststellungen von den Unteroffizierschulen niemand wegen Mangels eines der erwähnten Schriftstücke zurückgewiesen worden sei. Dennoch bleibt die Tatsache der verweigerten Aufnahme bestehen; und den Sachkundigen kann es nicht schwerfallen, die wirklichen Gründe dieser Weigerung zu erraten. Das Verlangen unserer jüdischen Mitbürger, daß auch ihren Söhnen die Laufbahn des deutschen Unteroffiziers nicht verschlossen werde, ist an sich durchaus berechtigt; und jeder gerecht Urteilende muß verstehen, daß sie nach dieser Richtung energisch Vorgehen. Haben sie nicht alle Pflichten des Staatsbürgers ohne Ausnahme zu erfüllen? Wie läßt es sich da rechtfertigen, daß ihren Söhnen die vom Staat unterhaltenen Unteroffizierschulen verschlossen bleiben? Sieht es nicht fast aus, als feien sie Staatsbürger zweiter Klaffe, deren Rechte den Pflichten nicht entsprechen? Theoretisch muß ohne Zweifel auch den jüdischen jungen Leuten der Eintritt in die Unteroffizierschulen gestattet werden. Aber wie selten decken sich Theorie und Praxis! Auch hier steht die Praxis im schroffsten Gegensatz zur Theorie. Die jungen Israeliten wollen durch den Besuch der Unteroffizierschulen die Qualifikation zum militärischen Vorgesetzten erreichen. Dagegen sprechen aber sehr vernehmlich die Rücksichten aus die Disziplin unseres Heeres. Der jüdische Soldat hat sich im Dienst durchaus nicht etwa als unzulänglich erwiesen. Ebensowenig kann ihm im allgemeinen die Befähigung zum Vorgesetzten abgesprochen werden. In meiner — ein ganzes Menschenalter ausfüllenden — Dienstzeit habe ich sehr viele Juden unter meinem Befehl gehabt. Wenige von ihnen ließen dienstlich zu wünschen übrig. Einzelne waren geradezu ideale Soldaten, die mich und auch andere Offiziere zu aufrichtiger Bewunderung Hinriffen. Nur Voreingenommenheit kann daher die Tatsache der militärischen Beanlagung der Juden leugnen. Unter den besten Truppenführern Bonapartes waren Juden. Ein Jude ist, wenn ich nicht irre, Kriegs- *) Daß eine Abweisung damit begründet wurde, ist in der Eingabe nicht gesagt, sondern nur darauf hingewiesen, daß sie damit^begründet werden