Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Jüdische Unteroffiziere
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 454 (sequence 2)
- Language
- German
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454 Im deutschen Reichnur zu wünschen übrig, dah durch Anmeldung geeigneter jüdischer Knaben die Verwaltungen von Nnterosfizierschulen veranlaßt würden, dem ministeriellen Bescheide entsprechend, sich zur Aufnahme jüdischer Knaben ohne weiteres zu entschließen. Unter den mannigfachen Aeußernngen der Presse über die vielfach) irrtümlich oder absichtlich als „Beschwerde" aufgefaßte „Bitte" verdient an dieser Stelle eine besondere Erwähnung, weil diese Aeußerung angeblich von vorurteilsloser Seite ausgeht, in eine scheinbar wohlwollende Form gekleidet ist und mit der in Gönnerart erteilten freundlichen Empfehlung schließt, die Juden möchten sich aus Klugheit mit der theoretischen Anerkennung ihres Rechtsanspruchs begnügen und auf den Versuch verzichten, von dieser Anerkennung praktischen Gebrauch zu machen — weil den militärischen Behörden die Mittel fehlen dürften, christliche deutsche Soldaten daran zu verhindern, jüdischen Vorgesetzten den Gehorsam zu verweigern. Diese von vollständiger Verkennung der Unerschrockenheit und Zähigkeit der deutschen Soldaten jüdischen Glaubens zeugende, nahezu komische Aeußerung mag dem Verfasser des in der Hardcnschen Zeitschrift „Zukunft" am 6. August d. I. veröffentlichten Artikels „Jüdische Unteroffiziere" nicht Weiler verübelt werden. Daß aber Herr Oberstleutnant a. D. Carl von Wartenberg, der als ein scharfer Kritiker militärischer Maßnahmen gilt, deutschen Soldaten christlichen Glaubens eine bedenkliche Insubordination aus religiösen oder raffefeindlichen Gründen zutraut und weiter annimmt, daß dieser gegenüber die in unserer Heeresverwaltung übliche eiserne Disziplin versagen könne, grenzt an das Unglaubliche. In zahllosen großen industriellen Betrieben nehmen bekanntlich Juden leitende Stellungen ein, ohne daß jemals Fälle von Aufsässigkeit der Untergebenen Vorkommen; was hätten denn jüdische Militärs zu fürchten, deren Autorität durch Strafen geschützt ist, die in solcher Härte nur im Heeresdienst als zulässig betrachtet werden? Der Herr Oberstleutnant a. D-, der nicht nur von der Disziplin preußischer Truppen eine so geringe Meinung hegt, sondern auch dem preußischen Kriegsministerium zumutet, auf die Abneigung und Zuneigung der Mannschaften eine an Feigheit grenzende zarte Rücksicht zu nehmen, sagt: „Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich neulich an eine der deutschen Heeresverwaltungen mit der Beschwerde (?) darüber gewandt, daß Juden die Aufnahme in die Unteroffizierschulen verweigert werde. Die Abweisung sei von den militärische« Behörden mit der Tatsache begründet worden, daß der für die Auf-