Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 437

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
[Ohne Titel]
Date
1904-07-01
Page
437 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316722--12715-2333661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VerernSnachrichten. 4S7 Da hiernach die Auffassung des Eentral-Vereins in der Eingabe vom 16. Mai 1904 irrig ist, liegt ein Anlaß zur Abänderung der in Rede stehenden Bestimmungen nicht vor. gez. v. Einem. An den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hier. Wir freuen uns, daß der Kriegsminister unsere Auffaffung, die sehr nahe lag, als irrig erklärt und hoffen bald zu hören, daß geeignete jüdische Bewerber unter Hinweis auf den ministeriellen Bescheid um die Aufnahme in eine Unteroffizierschule nachsuchen. Wir bitten aber, uns von dem Erfolg ihres Gesuchs Kenntnis zu geben. Von einem in London wohnhaften Vereinsmitgliede gehen uns aus Anlaß unserer Notizen über die Juden im Heere, die Aussichten im chemischen Berufe und über die Behandlung der nach Rußland reisenden deutschen Juden folgende Mitteilungen zu. 1. Ich trat s. Z. am l. Oktober als Einjahrig-Freiwilliger beim Inf.-Reg. 94 in Weimar ein. Am 1. April wollte mich der Hauptmann als Juden nicht befördern. Infolge einer Eingabe an den Bataillonskommandeur, bei dem sich der ausbildende Leutnant v. Krause energisch für mich verwendete, wurde ich trotzdem zum Gefreiten ernannt. Meine Beförderung zum Unteroffizier vermochte der Leutnant aber erst bei der Entlassung durchzusetzen. Er beantragte gleichzeitig für mich die Qualifikation zum Reserveoffizier, die mir gegen den ausgesprochenen Willen des Bataillonskommandeurs vom Regiment aus erteilt wurde. Bei Gelegenheit der ersten Uebung wurde ich zum Dizefeldwebel befördert. Unter 7 Vizefeldwebeln bestand ich das Examen der zweiten Uebung „bei weitem am besten". Meine Führung war: „recht gut." Ich muß also die Uebung mit Erfolg abgelegt haben. Trotzdem benachrichtigte mich 14 Tage nach der Entlassung das Bezirkskommando I Berlin, daß ich aus der Liste der Offiziersaspiranten gestrichen worden sei. 2. In zwei chemischen Fabriken habe ich, weil ich Jude bin, die ausgeschriebene Stellung nicht erhalten; in der Dynamitfabrik von Nobel in Hamburg (schwerlich im Sinne ihres Begründers) und in der Spiritusfabrik von Wrede in Peine. Von einer Reihe anderer Fabriken nehme ich dasselbe an, ohne es mit gleicher Sicherheit behaupten zu können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.