Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 425 (sequence 5)
- Language
- German
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Korrespondenzen 425 gleitern wurde Straßen weit der Gegenstand stürmischer Ovationen, trotzdem eine große Menge Schutzleute und Polizeioffizrere — etwa 40 zu Fuß und 20 zu Pferde — es zu verhindern suchten. Ein benachbartes Lokal, in dem man die Abgg. Böckler und Bruhn, sowie den Grafen Pückler vermutete, wurde bis nach Mitternacht ttotz des zahlreichen Polizeiaufgebots von Hunderten umlagert.- — tzuouZHue tanäsm. . . . Unter der Ueberschrist „Der Sturm auf den Löwenthal" berichtet die ^Staatsbürger-Zeitung": Zu wüsten Szenen kam es am '27. Juni, abends, vor dem Emaillewarenladen des Kaufmanns Löwenthal, Kaiser Wilhelmstraße 19, II. Der Inhaber dieses Geschäfts hatte einen Jungen, der trotz seines Verbots auf dem Hofe spielte, auf die Sttaße gezerrt und als der Junge sich dem widersetzte, angeblich mißhandelt. Bald darauf erschien die Mutter des geohrfeigten Knaben und machte ihrem Zorn über das Verhalten des L., der wieder in den Laden gegangen war, in erregter Weise Luft. Inzwischen hatte sich eine große Menschenmenge vor dem Laden angesammelt, die für den Jungen Partei ergriff und L. mit Schmähungen überhäufte. Als Löwenthal ruhig im Laden blieb, ging die Menge zum Sturm über und mit den Gießkannen, Teekeffeln und sonstigen Geräten, die vor der Ladentür aushingen, wurde ein wütendes Bombardement auf den Ladeninhaber und seine Frau eröffnet. Die Menge stürmte den Laden und beruhigte sich erst, als ein Schutzmann auf dem Plane erschien. Aus einer benachbarten Destillation wurde der Führer des Sturmangriffs, ein Markt- Helfer, herausgeholt und zur Polizeiwache gebracht." — Bekanntlich heißt ein Thema des Grafen Pückler: „Auf zum Sturm". Der Markthelfer konnte unmöglich verstehen, daß das nur „bildlich" gemeint sei. Viäeaut eousules! Bei dem am 25. Juni in der Stadtmifsion abgehaltenen Sommerfest der Christlich-Sozialen hielt der Hofprediger a. D. Adolf Stöcker, der sich zugleich vor seiner Abreise nach Partenkirchen verabschiedete, die Hauptansprache. „Das Wetter", meinte er dabei, „ist garnicht so ungünstig; es ist ganz christlich-sozial: Regen, Sonnenschein, hell und dunkel. Heute sieht es aber ziemlich hell aus in der christlichsozialen Welt. Noch vor einem Jahre standen dicke Wolken am Himmel: das Ergebnis der Reichstagswahlen. Inzwischen hat sich der Himmel wieder etwas ausgeheitert." Stöcker prüfte die gegenwärtige polittfche Lage und sagte zuletzt: „Wenn wir alle diese Erscheinungen zusammennehmen, so können wir die paar Wolken am Himmel schon vertragen." Daß der ehemalige Hofprediger wetterfest ist, hat er hinreichend de-