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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 419

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-07-01
Page
419 (sequence 13)
Language
German
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Umschau. 419 inan müsse in den Juden eine verfolgte Raffe erblicken, für die in einer englischen Kolonie eine Zuflucht zu schaffen, verdienstlich sei. Cs handle sich jetzt nur darum, ob eine derartige Ansiedlung bei dem augenblicklichen Entwicklungszustande der ostasrikanischen Länder empfehlenswert sei oder nicht. Die Regierung werde in der Sache nichts unternehmen, ohne dem Parlament genaue Informationen zu unterbreiten. Der Antrag Wasons auf Vertagung wurde darauf abgelehnt. Auch die russische Regierung fühlt das Bedürfnis, von ihrer judenfeindlichen Politik in Bahnen einzulenken, welche den internationalen Antisemiten nicht mehr gefallen können. Herr v. Plehwe, der Freund und Beschützer des antisemitischen Hetzers Krufchewan unseligen Kischinewer Angedenkens, der oberste Leiter jener russischen Polizei, die in Kischinew, Hömel und anderen Orten durch stillschweigende Duldung blutiger Greuel den innersten Absichten ihres Chefs am sichersten zu entsprechen vermeinte, soll zu der Erkenntnis gelangt sein, daß die russische Judengesetzgebung mit Bausch und Bogen in die Papierstampfe gehöre und ein neuer Kurs in der Behandlung der russischen Juden eingeschlagen werden müsse. Die ersten Anzeichen, daß eine solche Wandlung im Gemüte des Herrn v. Plehwe sich vorbereite, stammen schon aus der Zeit, da infolge sehr entschiedener Vorstellungen einflußreicher amerikanischer Juden bei dem Präsidenten Roosevelt die amerikanische Regierung ihrer russischen Kollegin recht unbequem zu werden drohte. Die offiziellen Schritte, die von amerikanischer Seite wegen des Kischinew-Gemetzels beabsichtigt wurden, sind dann allerdings unterblieben; die Entrüstung der gesamten öffentlichen Meinung Nordamerikas aber konnte selbst dadurch nicht besänftigt werden, daß der russische Botschafter Graf Cassini in eigener Person sich herabließ, in der Presse einige beruhigende Worte zu sagen. Die Sympathie-Kundgebungen vieler Amerikaner für die Japaner haben aber das Petersburger Kabinet kaum stutziger gemacht als der Erfolg des jüdischen Senators Goldfogle in Washington inbezug auf den herben Tadel der polizeilichen Behandlung der nach Rußland reisenden amerikanischen Juden., Die russische Regierung ist im voraus davon überzeugt, daß die leitenden Staatsmänner Englands und Amerikas nur darauf warten, etwaige Bemühungen der deutschen Reichsregierung, der an Willkür streifenden Behandlung der nach Rußland reisenden fremden Staatsbürger jüdischen Glaubens ein Ende zn machen, nachdrücklich zu unterstützen. Daß der Minister von Plehwe die Schädlichkeit der bisher den Juden gegenüber befolgten Bahn einsieht, gilt als sicher, aber es ist sehr

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