Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 418 (sequence 12)
- Language
- German
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418 Hm deutsch»» Reich. kanntlich auch ein Teil von Preußisch-Schlesten (Stadt und Bezirk Kätscher) gehört, dürfte es doch verleidet sein, gemeinsam mit den czechischen Gesinnungsgenossen auch gegen diesen Oberhirtcn zu protestieren. - Die Deutschen in Cisleithanien haben es wesentlich der zersplitternden Wirkung zu danken, welche 8er Antisemitismus wie überall so auch in Oesterreich ausübt, daß sie von den andern Nationalitäten immer mehr zurückgedrängt werden und ihr Vaterland kulturell und wirtschaftlich von Transleithanien vollständig überflügelt wird. Der magyarische Liberalismus ist sich dessen deutlich bewußt, daß er das Aufblühen Ungarns wesentlich der religiösen Duldsamkeit und dem Grundsätze verdankt, sich um die Abstammung seiner Freunde nicht zu kümmern. Dieser Tage hielt Ministerpräsident Graf Tisza eine bemerkenswerte Ansprache. „Nur dann," sagte er zu dem Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde, „kann unsere Nation sich gedeihlich entwickeln, wenn es gelingt, in der großen Arbeit des Fortschritts alle Faktoren zu vereinigen. Wenn auch hier und da Fragen austanchen, bei deren Lösung vielleicht der konfessionelle und der staatliche Gesichtspunkt nicht vollkommen übereinstimmen, so muß man gerade in Ungarn den Staat und die Konfessionen als natürliche Bundesgenossen betrachten, die ihre großen Aufgaben nur Hand in Hand mit einer von gegenseitigem Vertrauen erfüllten Tätigkeit zulösen vermögen.' Auch in England erweist sich der Antisemitismus als regierungsfeindlich. Im englischen Unterhause versuchte der schottische Abgeordnete C. Wason eine Vertagung des Hauses dadurch herbeizuführen, daß er gegen das Projekt einer zionistischen Niederlaffung in Ostafrika protestierte. Es wurde berichtet, daß der dortige Vertreter der britischen Regierung wegen des für Uganda unheilvollen Projekts seine Entlassung gefordert habe. Wenn sich dies bestätige, so sei die Lage eine ernste. Major Evans-Gordon erklärte, daß die ganze Niedeclaffungsfrage vorläufig noch schattenhaft sei. Der Zionistenkongrcß habe zwar anerkannt, daß das Anerbieten der englischen Regierung außerordentlich großmütig sei, aber ein Teil des Kongresses sei der Ansicht gewesen, daß eine Niederlassung in Ostafrika von dem zionistischen Ziele der Niederlaffung in Palästina ablenken würde. Wegen einer noch völlig in der Schwebe befindlichen Angelegenheit brauche man daS Haus nicht zu vertagen. Earl Percy verstcherte, die Annahme, England wolle Staatsgebiet abtretsn, sei eine irrige; eS habe sich immer nur um eine Land- Verpachtung gehandelt. Sir Elliot habe nicht wegen dieses Projektes, sondern wegen einer anderen Landabtretung auf beiden Seiten der Eisenbahn seinen Abschied genommen. Sir Eduard Grey meinte,