Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 420 (sequence 14)
- Language
- German
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420 Im deutschen Reich. zweifelhaft, ob er es mit seinen.Reformideen ernst meint. Anscheinend findet der RassenantisemiLismus eine mächtige Stütze in den Kreisen der Großfürsten. Wie verlautet, ließ der Chef der russischen militärischen Lehranstalten, Großfürst Konstantin, vor einiger Zeit durch den damaligen Kriegsminifter Kuropatkin dem Reichsrate eine Gesetzesvorlage unterbreiten, wonach Personen jüdischer Herkunft, wenn sie auch dem orthodoxen Glauben angehören, die Aufnahme in die militärischen Lehranstalten verweigert werden soll. Der damalige Unterrichtsminister v. Sänger opponierte gegen diese Gesetzesvorlage, welche er als eine „offizielle Negierung des Sakraments der Taufe" bezeichnete und erhielt für diesen Widerspruch gegen die freundliche großfürstliche Absicht seine Entlassung. Dieser Gefahr wird sich Herr von Plehwe nicht aussetzen; seine Reformvorschläge in Bezug auf die Judengesetzgebung werden sich deshalb in sehr engen Grenzen halten. Auch das Schicksal der jüdischen Soldaten dürfte sich nur dann günstiger gestalten, wenn der russische Fabius Cunctator, General Kuropatkin, sowie seine großfürstlichen Gönner durch erneute Niederlagen und durch die Opferfreudigkeit vieler russischer Soldaten jüdischer Abstammung selbst dazu bekehrt werden, dem Raffenhaß zu entsagen, der noch jedem zum Unheil gereichte. Mit den Antisemiten hätte die russische Regierung es dann freilich für immer verdorben, selbst wenn es ihr noch gelänge, die bisherigen kriegerischen Mißerfolge wett zu machen. In einem Berichte aus Föngwangtschung spricht sich über die russischen Soldaten jüdischen Glaubens selbst die „Köln. Ztg." lobend aus, deren Urteil umsomehr ins Gewicht fällt, als siesicher keiner Voreingenommenheit für die Juden verdächtig ist. Der betreffende Korrespondent, der Gelegenheit nahm, in den japanischen Lazarethen mit russischen Verwundeten zu sprechen, sagt wörtlich: „Es scheinen zahlreiche polnische Juden in den ostsibirischen Regimentern zu dienen. Wie ich höre, haben manche von ihnen den Japanern gegenüber über die üble Behandlung jüdischer Soldaten seitens der Offiziere und auch darüber geklagt, daß ihnen manche den Christen gewährten Rechte vorenthalten werden. Wenn man bedenkt, daß diese Söhne einer verfolgten Rasse sehr widerstrebend unter dem russischen Militärsystem nach dem ferrerr Osten verschickt werden und daß sie keine Anhänglichkeit für eine Herrschaft empfinden können, der sie zu dienen gezwungen sind, scheint es in der Tat wunderbar, daß sie so wacker gekämpft haben, wie sie es in der Tat am Aalu taten." — Hoffentlich wird ihre Pflichttreue von der ruffischen Regierung nicht mit Undank belohnt!