Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 417 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau 417 dem Auge verlieren, wenn sie in der Beteiligung an einem Sport einen Regierungsakt erblicken, der ihnen wichtiger erscheint, als die Erledigung parlamentarischer Arbeiten, die von höchster Stelle selbst als die zurzeit wichtigsten Staatsaufgaben bezeichnet wurden, dann können wir mit unseren Bedenken nicht mehr zurückhalten." Die „Kieler Woche" ist den Antisemitenblättern gewiß gleichgiltig, aber das vergeben sie den „verantwortlichen Räten der Krone" nie, daß sie nicht den staatsrechtlichen Lehren der Herren Böckler, Reventlow, Werner und Lattmann lauschen oder es sogar verabsäumen, Zeugen der antisemitischen Heiterkeitserfolge des Herrn Liebennann von Sonnenberg zu sein! Daß man den von diesen angeblichen Vertretern des kulturwidrigen „Teutschtums" künstlich erzeugten „Imponderabilien" nicht nachgeben darf, wenn nicht das echte Deutschtum empfindlichen Schaden erleiden soll, dafür bieten die Vorgänge in Oesterreich- Ungarn fortwährend neue Beweise. Der Antisemitismus ist nicht national, denn seine deutschen Anhänger verbinden sich als „Internationale" sofort mit jedem Reichsfeind, wenn er nur Neigungen zu Judenhehen bekundet; sie schwärmen für Rumänien, wenn die dortigen Machthaber nicht nur jüdische, sondern auch christliche deutsche Handwerker entrechten, für Rußland, wenn die dortigen Polizeibehörden nicht nur deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens eine besondere Behandlung angedeihen lassen, sondern auch in den Ostseeprovinzen evangelische Geistliche und deutsche Profefforen chikanieren; sie geben den Czechen in Böhmen und Mähren aus „Dankbarkeit für Polna" auch die letzten deutschen Sprachinseln bereitwilligst preis. Auf dem Olmützer Erzbischofsstuhl saß seiner Zeit ein Kirchensürft, namens Dr. Kohn, dessen Verwaltung berechtigtes Mißvergnügen erregt haben soll, der aber kaum seines Amtes verlustig gegangen wäre, wenn man ihm nicht von antisemitischer deutscher und czechischer Seite seine jüdische Abstammung als Verbrechen angerechnet hätte. An seine Stelle ist der bisherige Bischof von Brünn, Dr. Bauer, ein recht entschiedener Parteigänger der czechischfcubalen Partei getreten, der in der Brunner Diözese das czechischkkrikale Dereinswesen und die Einführung czechischer Predigten an deutschen Gemeinden eifrigst förderte. Das Deutschtum ist also durch den Sturz Dr.Kohns keineswegs gefördert worden. Nun hat zwar kürzlich das czechische Blatt ..Prävo Lidu“ bisher unwidersprochen aus der Umgebung des neuen Erzbischofs gemeldet, daß auch dieser gleich seinem Vorgänger jüdischer Abkunft fei und einer Familie entstamme, die sich erst seit zwei Generattonen zur römisch-katholischen Kirche bekennt, aber den deutschen Antisemiten in der Erzdiözese Olmütz, zu der be-