Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 414 (sequence 8)
- Language
- German
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4i4 Hm vrutschen Reich. zusammenzuckten und mürbe würden. Anders ist es kaum zu erklären, daß die Behandlung der Leiter der antisemitischen Bewegung zwischen plötzlicher Strenge und freundschaftlicher Milde herüber und hinüber schwankt, erbitternd wirkt, aber keinen heilsamen Respekt einflößt und jedenfalls nicht die Beherzigung des klugen Rates spüren läßt: „Greif' nimmer in ein Wespennest, doch wenn du greifst, so greife fest!" Die Erörterung der Frage, ob einzelne von der Verwaltung zur Verhütung antisemitischer Massenkundgebungen getroffene Maßregeln unerläßlich waren, ist für die Beurteilung des Mangels an Konsequenz ziemlich gleichgiltig. Die von antisemitischen und konservativen Vereinen für den Beleidiger der Konitzer Behörden geplanten Huldigungen wurden energisch verhindert; nachdem für das Pfingstfest die deutsch-soziale Versammlung auf dem „Meißner" verboten war, untersagte der Landrat von Bischofshausen nach „höheren Orts" eingeholter Erkundigung auch die Versammlung vom 3. Juli. Für eine Versammlung des Deutschen Antifemitenbundes in Berlin wird ein starkes polizeiliches Aufgebot angeordnet u.a.m. Andererseits aber gestattet man dem Organ Bruhn's, mit einer der aufreizendsten Pückler-Reden für sich in den Straßen der deutschen Reichshauptstadt in der unerhörtesten Weise Reklame zu machen. Jeden Berlin besuchenden Fremden muß es in Verwunderung versehen, daß hier auf den belebtesten Straßen eine Abonnementseinladung für die „Staatsbürger-Ztg." mit einer Rede des Grafen Pückler verteilt werden darf, worin aufgefordert wird, gegen das Judentum „endlich zum Sturm und zum Angriff überzugehen." Ueber diese Rede schreibt die „Freie deutsche Presse": „Wie Graf Pückler mit der Wahrheit umspringt, beweist seine mit dem anerkannten Wohltätigkeitsstnn der Juden in krassem Widerspruch stehende Behauptung: „Der Jude gibt wenig oder garnichts für wohltätige und gemeinnützige Zwecke." Genau auf derselben Höhe steht die Behauptung deS Grafen Pückler: „Die Juden erwerben ihr Geld meistens durch Börsenschwindel und betrügerische Bankerotts, durch unsolide Spekulationen und Wucher aller Art." Dazu bemerkt das freisinnige Blatt: „Zeitungsblätter mit solchen aufhetzenden Aeußerungen werden als Geschäftsreklame für «in Antisemitenblatt auf den Straßen verteilt und gelangen dort auch Kindern in die Hände, die für die „Blumensprache" deS Grafen Pückler nicht das geringste Verständnis besitzen." Die „National-Zeitung" veröffentlicht «in daraus bezügliches Schreiben, in dem es heißt: „Eine Frage von ernster Bedeutung ist es, welcher Schaden entsteht, wenn solche verhetzenden Blätter von den Zettelverteilern an schulpflichtige Knaben uns