Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 413 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 4!3 würden das mit großer Freude begrüßen, wenn wir nicht sehen müßten, daß der Herr Erste Staatsanwalt sich wiederum auf falscher Fährte befindet und sich auf diesem Wege um den Erfolg feiner rastlosen Tätigkeit bringen wird." Diese krampfhaften Bemühungen der Antisemiten, das anbrechende Licht wieder zu verdunkeln, dürften die Konitzer Untersuchungsbehörden nur dazu aneifern, unberufenen Zensoren zu beweisen, daß sie sich nicht wieder ins Handwerk pfuschen lassen wollen. Vielleicht kommt dabei auch noch an das Tageslicht, wie diese Pfuscherarbeit betrieben worden ist, und daß dieselbe eine gerichtliche Sühne verdient. Darüber müssen sich doch die maßgebenden Kreise endlich klar sein, daß die antisemitische Wühlhuberei mit einer fortgesetzten Verhöhnung behördlicher Maßnahmen verbunden ist, die weit mehr als die schärfste ehrliche politische Opposition geeignet ist, breite Schichten der Bevölkerung nicht nur in eine regierungsfeindliche Stimmung zu versetzen, sondern ihnen auch eine grenzenlose Mißachtung gegen die Staatsleitung einzuimpfen. Daß die Antisemitenpresse zuerst die Kühnheit gehabt hat, das für preußische staatliche Verhältnisse glücklicherweise völlig unzutreffende Schlagwort „Nebenregierung" zu münzen, ist kein bloßer Zufall. Dieses Wort kennzeichnet gleichzeitig Wort und Ziel der staatsgefährlichen antisemitischen Agitation, bei der man zunächst nur auf den Juden schlägt und den nichtjüdischen Inhaber der Macht meint, welche gewisienlose Streber erschleichen oder ertrotzen möchten. Wie sie in Könitz ein Nebentribunal errichteten und Verhöre anstellten, statt die berufenen Behörden ruhig ihres Amtes walten und unbeeinflußte Zeuger verhören zu lasten, so pfuschen sie jetzt auch anderwärts überall hinein,' drängen sich insbesondere einzelnen Berufskreifen als Vertrete" ihrer Interessen auf, veranlassen diese Kreise, ihre ursprünglich ganz berechtigten, bescheidenen Ansprüche in's Ungemeffene zu steigern und erfüllen sie mir bitterem Unmut gegen die Regierung und die Volksvertretung, wenn diese berufenen gesetzlichen Faktoren sich gedrungen fühlen, die Erfüllung zu weitgehender Wünsche abzulehnen. Solche gemeinschädliche Versuche zur Etablierung einer Nebenregierung würden längst unterdrückt worden oder der Lächerlichkeit verfallen sein, wenn nicht stets die heuchlerische Phrase: „nur im Interesse der Monarchie und zur Verhütung des Umsturzes, die Gesetzgebung. Verwaltung und die Justiz aus den rechten Pfad leiten zu wollen", einen merkwürdigen Eindruck selbst aus die klügsten Staatsmänner erzielte, und wenn diese nicht bei dem bloßen Gedanken, auch nur in dem kleinsten Winkelblatt als „Judenknechte" verketzert zu werden, sofort Nervös