Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 410 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316722--12649-2333634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
410 3m deutschen Reich „Tonhalle" am 13. Juni gehaltenen Vortrage über die „Kausmannsgcrichte" daraus hingewiesen, daß infolge des Herabsetzens der Altersgrenze des aktiven und passiven Wahlrechts der Handlungsgehilfenstand kaum erhebliche Vorteile von den neuen Sondergerichten haben werde, daß insbesondere kleinere Städte von denselben voraussichtlich gar nichts haben würden, weil dort kaum Handlungsgehilfen zu finden wären, die 30 Jahre alt sind. Um wenigstens etwas zu retten, werde, man aber doch wohl die Vorlage in ihrer unvollkommenen Fassung annehmen müssen. Dementsprechend gab der Abgeordnete Zimmermann im Reichstage bei der dritten Beratung des Gesetzentwurfs im Namen seiner politischen Freunde die Erklärung ab: „Es wird das Verhalten der verbündeten. Regierungen in den nationalen Handlungsgehilfenkreisen große Verstimmung wachrufen. Trotzdem erkennen wir in dieser Zwangslage die Verpflichtung aus praktischen Erwägungen heraus, nunmehr dafür einzutreten, daß etwas zustande kommt. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, werden wir für den Kompromißantrag und für das ganze Gesetz stimmen, um etwas Positives nach Hause zu bringen." Diejenigen deutsch-nationalen Handlungsgehilfen, denen die Berufsintereffen wichtiger sind als die Interessen der politischen Partei, werden über das inkonsequente Verhalten ihrer eigenen Vertreter im Reichstage wahrscheinlich verstimmter sein, als über dasjenige der verbündeten Regierungen. Daß aber die antisemitischen „Politiker" unter den Handlungsgehilfen anders denken,.zeigte dieAeußerung des Vorstandes des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen- Verbands, Blobel, in der Tonhalle-Versammlung am 13. Juni: „Der Regierung und dem Reichstage aber werden wir dankbar sein, daß er uns durch die Verschlechterung der Vorlage neuen Stoff zu emsiger Agitationsarbeit gegeben hat". - Das ist bekanntlich bei den Antisemiten immer des Pudels Kern; man freut sich sogar einer Niederlage, sobald diese nur die Möglichkeit gewährt, aufreizende Reden gegen die Regierung und die maßgebenden Parteien zu halten. Nachdem der Reichstag bis zum. 29. November vertagt ist, kann man sich darauf gefaßt machen, daß die antisemitischen Abgeordneten ihre Ferien in dieser Richtung weidlich ausnützen werden. Was noch vor Toresschluß der Abg. Zimmermann über die Verschlechterung der Vorlage über die Kaufmannsgerichte und der Abg. Ludwig Werner über das große Truppenaufgebot bei dem Empfang König Eduards am Nordostseekanal und bei Gelegenheit des Gordon-Benett-RennenS im Reichstage äußerten und waS die Artikel der antisemitischen Presse über den Pommernbankprozeß besagen, dürfte einige nicht gerade regierungsfreundlich« Leit-