Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 404 (sequence 5)
- Language
- German
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404 Im deutschen Reich. Der Misrach ist eine gemalte oder geschnitzte, an der Ostwand des Zimmers angebrachte Bildtafel, welche die Richtung angibt, nach der man stch beim G.bet zu wenden hat. Die Sabbalh-L.nnpe, der meist dreiflammige Standlcuchter (Krakauer Lampe), die Kadäala-Kerze (meist zwei ineinander ^ew indene Kerzen, „jüdisch Keb"), die Bretdccke, die Laubhütte, der (ein beim Laubhüttenfest gebrauchter Wedel aus Pflanzenteilen), die Lsro^-Dose, der I'ui-im-Teller, die La§§aZa, die 8eäer-Schüssel und -Decke, sowie manche andere Gegen, stände werden beschrieben und abgebildet. Der 3. Teil faßt diejenigen Kultusgegenstände zusammen, welche in der angegebenen Form nur bei den Juden in Gebrauch sind. Es sind dies zunächst der Gcbetmantel (Tallis mit Arba Canphos und Zizis, Schaufäden) und Beutel für dessen Aufbewahrung Ferner „Anhänger", eine besondere Art weiblicher. Schmuckgegenstände, Miniaturbibeln, die zur Befchneidung nötigen Werkzeuge, Ringe, Gürtelschnallen, Trinkgefäße der Begräbnisgesilljchaften oder Wohltätigkcitcvereine it. dergl. m. Es ist eine außerordentliche Fülle von Formen, die uns hier entgegentritt. und besonders interessant ist, zu beobachten, wie viele Ideen in diesen Formen liegen, wie sich allerwärts eine reiche Symbolik geltend macht und wie selbst die Gegenstände des alltäglichen Lebens durch diese Behandlung eine höhere Weihe erlangen. Der letzte Abschnitt ist den Grabdenkmälern gewidmet. Die ältesten, aus dem Mittelalter stammenden Grabsteme aus Piag haben einfache Grabschrist ohne jegliche Verzierung. Im Friedhofe zu Worms sind einfache rechteckige Steine mit vertiefter Inschrift und gotischem Maßwerk erhalten, ähnlich wie ein Grabstein-Fragment aus Bern. In Italien findet stch im 16. Jahrhundertzuweilen eine reiche Umrahmung des aufrecht stehenden Jnschriflsteines, auf dem Friedhofe zu Pappenheim in Bayern eine Anzahl von Grabsteinen aus dem 18. Jahrhundert mit Malerei und Vergoldung. In verschiedenen, bereits früher erschienenen Werken über jüdische Friedhöfe und Grabstein-Inschriften ist eine große Anzahl von Grabsteinen, allerdings ausschließlich wegen ihrer Inschrift, abgebildet. Zu einer systematischen Darstellung derselben, um eine gerichtliche Entwickelung des jüdischen Grabmonuments daran zu knüpfen, ist nach Fraubergers Ansicht das Material noch nickt ausreichend. Erst müßte die Zahl der Abbildungen einen größeren Umfang annehmen. In seinen Schlußbemerkungen zu dem Doppelhefte richtet Herr Frauberger einen eindmiglichen Aufruf an unsere Glaubensgenossen, Mitteilungen über vorhandene alte Gegenstände und Abbildungen derselben an den Verein gelangen zu lassen und diesen auch sonst durch