Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 405 (sequence 6)
- Language
- German
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Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung rc. 495 Geldmittel und andere Schenkungen zu fördem. „Es kann kaum oft genug gesagt werden, daß feine Zeit versäumt werden darf. Es ist nach mehr als einer Richtung hin Gefahr vorhanden. Kleine, uralte Gemeinden lösen sich auf, weil ihre jüngeren int üigenten Mitglieder nach großen, wirtschaftlich tätigeren Gemeinwesen ausgewandert sind. Alte Gegenstände werden verkauft, andere verbrannt oder eingk schmolzen. Ich war selbst einmal Z uge wie an einem einzigen Tage in einem Silberwarengescbätte 40 alte Gewürztürmchen zum Einschmelzen verkauft wurden." Soweit Frauberger. Wir können, wie schon früher, auch unsererseits diesen Appell wärmstenS unterstützen. Wie wir schon oben andeuteten, hört man nicht selten Stimmen und zwar von klugen und warmfühlenden Männern, welche sagen: „Wir wollen von diesem ganzen alten Gerümpel nichts wiffen. Es ist eine falsche Sentimentalität, welche für solche Dinge schwärmt. Wir sind moderne Menschen; was gehen uns mittelalterliche Geräte an, die ins Ghetto paßten, die wir uns aber möglichst schnell aus den Augen schaffen müssen?" Uns scheint diese Ansicht völlig unrichtig. Gerade weil wir moderne Menschen sind, müssen wrr uns bewußt werden, wie wir es wurden und wodurch wir uns von unseren Ältvorderen unterscheiden. Und nichts ist hierfür geeigneter und anregender, als Studien der Art, wie diese Frankfurter Gewlljchaft sie treibt. Gewiß hatten die Juden zu aller Z.it ihre Besonderheiten, und diese waren in früheren Jahrhunderten ausgeprägter als in unseren Tagen. Aber diese Besonderheiten lösen sich bei eingehenderer Betrachtung in Eigenschaften von allgemein menschlicher Gültigkeit auf. Dies zeigt sich sofort, wenn wr ihre heiligen Geräte in die Hand nehmen und einer genaueren Besichtigung unterwerfen. Da lihrt der Kiddusckbecher, daß der Wein den Menschen fröhlich stimmt; der Trauhimmel ist ein Symbol für das eheliche Gemach; der Gebetmantel eine Erinnerung an das Gewand, welches die nomadisierenden Vorväter Ln der Wüite trugen, wie es noch jetzt die Beduinen tun. Esten, Trinken, Kleidung — die alltäglichsten menschlichen Handlungen — werden durch die Religion in eine höhere geistige Sphäre erhoben und mir dem Nimbus der Symbolik umgeben. Wird unserer Jugend das Fortkommen erleichtert, wenn sie alle jene Zeremonien nicht kennen lernt? Wir glauben nicht, daß man das behaupten kann. Gefährlich werden diese Dinge doch nur, wenn ste mit dem Ansprüche auftreten, sich als unabänderliche Gesetze zu geben, die bis ins Kleinste hinein aufrechterhalten werden muffen. Dann beginnt der Konflikt zwischen der Starrheit des orthodoxen Bewußtseins, welches nicht die geringste Ueberlieferung aufgeben will, und dem modernen Leben, welches ganz