Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 401 (sequence 2)
- Language
- German
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Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung rc. 401 Völkerpsychologie, Völkerkunde, Volkskunde u. s. w. entstanden, die alle demselben Zwecke dienen, die Besonderheiten einzelner Volksgruppen gründlichem und objektivem Studium zu unterwerfen. Die Eigenart einer Volksgruppe zeigt sich aber nicht bloß in deren literarischen und geistigen Produkten, sondern auch in den köiperlichen Gegenständen, mit deren Handhabung sie vertraut ist. Die römischen Juristen betrachteten das Vermögen eines Menschen als eine Erweiterung seiner Persönlichkeit, und in demselven Sinne sind auch die Gerätschaften einer Volksgruppe eine Erweiterung von deren geistiger Persönlichkeit, der „Volksseele", wie man sie mit einem oft mißverstandenen Ausdrucke bezeichnet hat. Von diesen Gegenständen sind die bedeutsamsten die Kultusgegenstände; denn in jedem derselben spiegeln sich die Anschauungen derjenigen, welche sich ihrer bedienen, ihre innersten Gedanken und Vorstellungen, am treuesten wieder. Es ist allerdings eine Schrift, die nicht auf den ersten Blick verstanden wird, ein Buch mit sieben Siegeln, die sich nur vor dem liebevollen Betrachter öffnen. Wir hoffen, daß diese Bemerkungen genügen werden, die Ansicht, welche man öfter hört, zu widerlegen, als ob es unwichtige und überflüssige, vielleicht sogar rückschrittliche und schädliche Bestrebungen seien, um die es sich hier handelt, und wir wenden uns nun zu dem reichen Inhalt der oben erwähnten Hefte selbst. Herr Frauberger teilte die von ihm beschriebenen Gegenstände in 3 Gruppen ein: 1. Kultusgegenstände für die Synagoge; 2. Kuttusgegenstände für das Haus; 3. andere in den angegebenen Formen nur bei den Juden in Gebrauch befindliche Gegenstände. Schon die erste dieser Gruppen umfaßt 27 verschiedene Kategorien. Ohne die schönen Abbildungen dieselben einzeln aufzuführen, würde den Leser ermüden. Wir wollen daher nur die hauptsächlichsten Schilderungen herausgreifen. Thorajchrein, auch Tboralade, Aron Hakodesch, nennt man den schrankanigen Behälter, in dem die Thorarollen aufbewahrt werden. Er befindet sich stets an der Oftwan.d der Synagoge, entweder an dieselbe angelehnt oder eingebaut. Die ältesten Darstellungen von solchen finden sich auf den in den jüdischen Katakomben zu Rom gefundenen Gläsern und stammen aus den ersten JahrhundeNen unserer Zeitrechnung. Der älteste Schrein, der wirklich erhalten ist. war für Modena gearbeitet, wurde 1505 vollendet und wird im Musee Cluny zu Paris aufbewahrt. Er ist aus Nußbaumholz ^rnd mit durchbrochen