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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 398

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-07-01
Page
398 (sequence 12)
Language
German
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894 Hm deutschen Reich. „Nur muß der eine nicht den andern mäkeln, Nur muß der Knorr den Knubben hübsch vertragen, Nur muß ein Gipfelchen sich nicht vermessen, Daß es allein der Erde nicht entsprossen!" Als ihm aber der Tempelherr vorwirst, sein Volk habe sich das auserwählte genannt und den Stolz „den es aus Christ und Muselmann vererbte", daß sein Gott allein der rechte sei, geboren, da antwortet Nathan: Wir haben beide Uns unser Volk nicht auserlesen. Sind Wir unser Volk? Was heißt denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude, Als Mensch? Und eben jener Tempelherr, der vorher verächtlich sprach „Jud ist Jude", sieht die Wahrheit dieser Worte ein und versichert,, Nathan habe in ihm einen mehr gefunden, dem es genügt ein Mensch zu sein. Freilrch „Der Aberglaub', in dem wir ausgewachsen, Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum Doch seine Macht nicht über uns." Und gerade darum kann erst die Zukunft, eine bessere Zeit, eine einsichtigere und geistig freiere Menschheit die Fahne der Duldsamkeit entrrllen. Das wird dann jene goldene Zeit sein, die uns das uralte, von Leising so herrlich in seine Dichtung verwebte Märchen von den drei Ringen verheißt, jene Zeit, in der sich der verlorene einzige Ring voll Wunderkraft beliebt zu machen, „vor Gott und Menschen angenehm" wiedei finden wird. Denn „Der echte Ring Vermutlich ging verloren. Den Verlust Zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater Die drei für einen machen. Möglich, daß der, Vater nun Die Tyrannei des einen Rings nicht länger In seinem Hause dulden wollen! — und gewiß Daß er auch alle drei geliebt, und gleich Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen, Um einen zu begünstigen." Hinter diesem Bilde liegt der Schlüssel zum Verständnis der Konfessionen unter einander, und weil Lessing mit diesem Mahnruf

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