Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Der Jude im deutschen Drama
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 392 (sequence 6)
- Language
- German
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392 Im deutschen Reich. angeklagten Juden schützt, — der im Grunde seines Herzens edle Don Luis hat ihm seine Schuld gebeichtet und wiederholt angesichts deS erstarrenden Volkes sein Bekenntnis und erhebt die Klage gegen Pascual und seine Genoffen — sie wandern in den Keiler, die Juden ziehen frei ihre Straße. Don Luis geht in Verbannung, Fernando aber, der Prior, endet das tief ergreifende Schauspiel mit seiner unaufhaltsam sich steigernde« Handlung bei straffster Szenenführung mit den Worten: Ich segn' Euch alle, Die Ihr in Nacht umherirrt auf der Erde. Dem Licht vertraut! Das Auge Gottes wacht — Und Eurer Drangsal Nacht wird Osternacht. Die Dichtung verdiente wahrlich der Vergeffenheit entriffen zu werden — ihr Stoff hat ja an Aktualität nicht verloren, und seine Farben erscheinen leider auch uns noch frisch, nur allzu frisch. Nur das eine will ich anführen, das Bekenntnis des Priors vor allem Volke. Er ruft ihm zu: Vernehmt es alle, alle! Dies Höllenmärchen, seit Jahrhunderten Ein Freibrief für den Raub und Mord an Juden — Ich straf' cs Lügen hier im Antlitz Gottes! Bei dem Gekreuzigten! ich straf' es Lügen. Mit höchstem Eidschwur, den ein Christ geschworen, Beteur' ich's Euch — nie war es Judenbrauch! Ich kenn' der Juden ganzes Tun und Meinen, Was sie nach Brauch und nach Gesetz begehen, Ich kenn' es aus der Jugend eignen Jahren — Geborner Jude Hab' ich's selbst erfahren! Die Fabel des „Rabbi David" ist eine verwandte. Eine Magd .hat ihr uneheliches Kind ertränkt; da aber ihre Niederkunft nicht unbemerkt geblieben ist, verführt sie der Vater ihres Kindes, ein jüdischer Taugenichts, ihn und sich durch die Behauptung, das Kind sei von den Juden zur Gewinnung von Christenblut für den Osterkuchen gestohlen worden, zu retten. Das Volk glaubt es — wir sind im Jahre 1493 — und dringt in das Haus des Rabbi von Bacharach ein. Ein tückischer Zufall fügt es, daß Lea, des Rabbi Tochter, in Abwesenheit des Vaters, der lange im Kerker auch wegen eines Ritualmordes schmachtete und dann mangels Beweises freigesprochen, heimzukehren, aus unerlaubtem Verkehr mit einem