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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 390

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-07-01
Page
390 (sequence 4)
Language
German
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390 Im deutschen Reich. über uns gestanden." Die Juden aber, die ihr so geartetes Vaterland verlassen, „ziehen weinend fort." Denn „Jerusalem ist unsere Heimat nicht. Das Land, das seinen Boden mit uns teilt, Das Land, das seine Sprache mit uns redet, Das Land, das unsrer Kinder Wiegen schützt, Ist unsre Heimat." Sie ziehen aber ohne Groll; denn ihr Gott ist kein Gott der Rache, der jüdische Glauben keine Religion des Hasses. „Ihn hat das Elend sich hineingedichtet; Die Menschen hassen — aber Gott vergiebt." Daß schließlich ein getaufter Jude, der sich im Dorfe das Schulmersteramt erschlichen hat, der wütendste Judenfeind ist, entspricht der Erfahrung aus Vergangenheit und Gegenwart. Viel mehr noch hat in der Volksseele der junge Lessing gelesen, als er das eingangs erwähnte Lustspiel „die Juden" schrieb. Ein Baron, von Straßenräubern überfallen, wird von einem unbekannten Reisenden errettet; der Gerettete, von Dank überquellend, möchte dem Retter seine Tochter zur Ehe geben. Nun suchen die Straßenränder, die Bediente des Barons sind und sich durch falsche Bärte u. Dgl. unkenntlich gemacht hatten, die Schuld auf die Juden zu schieben, und der Baron ist geneigt, das zu glauben. Denn Inden sind gottloses Gesindel; „so viele als ihrer sind, keinen ausgenommen, sind Betrüger, Diebe und Straßenräuber", sagt der eine. Räuber, und der Baron meint, „warum sollte ich auch daran zweifeln? Ein Volk, das auf den Gewinnst so erpicht ist, fragt wenig danach, ob es ihn mit Recht oder Unrecht, mit Lift oder Gewaltsamkeit erhält?" „Ihre Gesichtsbildung hat gleich etwas, das uns wioer sie einnimmt. Das Tückische, das Ungewissenhafte, das Eigennützige, Betrug und Meineid pllte man sehr deutlich aus ihren Augen zu lesen glauben". Leider stellt sich die Geschichte aber so heraus, daß die Räuber eben jene Christen, die gegen die Juden Verdacht ausstreuten, waren — der rettende Reisende aber ein Jude. Der Baron muß es wohl glauben, was der Reisende vorher äußerte, „daß es unter allen Nationen gute und böse Seelen geben könnte", und zum Schluß erklären, „ich schäme mich meines Verfahrens" und „O, wie achtungswürdig wären die Juden, wenn sie alle Ihnen glichen."

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