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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 388

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-07-01
Page
388 (sequence 2)
Language
German
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388 Am deutschen Reich. zeugung verloren hat — ganz wie Wolfgang in Otto Ernst's „größter Sünde" — zum Tod. Für unsere Betrachtung ist von Wert, daß Gutzkow im „Und", wie kaum ein anderer, jütische Art und jüdisches Wesen gekennzeichnet hat. Seme Personen sind nicht Geschöpfe der Phantasie — es sind Juden! Ihr Glaube geht ihnen über alles, und Silva bekennt dem Acosta, daß wohl ein Irrtum im Glauben der Väter Vorkommen könne — aber „Doch taufend Jahre dauert dieser Irrtum, Hat zehnmal tausend über Lebensschmerzen Und Millionen über's Grab geleitet — Hat Euer Glaube Einen schon beglückt? Die Hand auf's Herz, Acosta! Nicht einmal Euch selbst! Dieser unverbrüchliche Glaube aber schlang ein unzerreißbares Band um die Juden und verwebte sie zu einer ein.igen Familie; jede Einzelfamilie war rin Abriß, ein verkleinertes Bild der gesamten Familie. Dreimal hören wir in Gutzkows Drama „tief in unserm Volke wurzelt die Familie"; Und s Hl hinzu „der Vater will, das Kind gehorcht," und das empfindet er selber angesichts der greisen, blinden Mutter. Und was wäre wahrer, als die Erläuterung Silvas? — später aber, im Exil, Da wir verfolgt, da nichts uns blieb im Elend, Als dieser Tr oft. daß uns doch Kinder lieben, Daß uns ein Vater doch beschützt in Not, Ein Bruder uns doch seinen B uder nennt, Da schlang sich inniger um uns dies Band Der Elnfmcht vor deck heil'gen Herd des Hauses. Wir brachten Opfer unsrer Freibeit, mieden Das schwache Vorurteil der alten Eltern Und warteten nicht, bis nur mündig waren, Um dies zu tun und das zu Unterlasten, Wir warteten bis auf den Tod der Unsern. Dann sind wir frei, dann fei die eigne Meinung, Die Fahne unsrer Wünsche aufgestcckt! Das blieb den Juden auch im Elend — wie groß dieses gewesen, zeigte sich namentlich dann, wenn sie zu Zeiten allgemeinen Unheils die Sündenböcke für die andern wurden. Wenn die Pest nahte, und die Geißelbrüder ihre Büßlieder sangen, da fragte man, wie es in Hermann Linggs Drama „Berrhold Schwarz" heißt: „Jst's wahr, daß Pilger aus dem Osten kamen Und in die Brunnen warf der Jude Gift?"

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