Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 387

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-07-01
Page
387 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316722-2333519--12624-2333611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Jude im deutschen Drama. (Aus dem Nachlaß des verstorbenen Vereinsmitgliedes vr. Richard Landau in Nürnberg) (Schluß). Glücklicher und freier noch als in Spanien lebten später die Juden in den Niederlanden. In der befruchtenden Sonne dieser Freiheit und Duldsamkeit konnte ein genialer Denker und Dulder entstehen: Baruch Spinoza. In seine Jugendzeit führt uns Gutzkow in seinem Uriel Acosta, der Spinozas Lehrer war — einer von den Tausenden, die von spanisch-jütisLen Emigranten in Portugal geboren worden waren und dann, als Spaniens Judenhaß auch Portugal ergriff, in die Niederlande auswandertcn. Und einer anderen historischen Persönlichkeit ist da noch ein schönes litterarisches Denkmal gesetzt, dem Doktor Samuel de Silva, der tatsächlich als angesehener Arzt jn Amsterdam gelebt und gegen Uriel Acosta 1623 eine Schrift in portugiesischer Sprache geschrieben hat. Hier leben wir ein glückliches Leben mit; Tüchtigkeit und Strebsamkeit wird auch im Juden geschätzt. Die Juden selbst aber hängen starr an ihrer überlieferten Lehre, an ihren ererbten und durch das Alter geheiligten Bräuchen und wollen nichts von diesen Ueberlieferungen preisgeben. An der Zähigkeit und dem Zelotismus der Priester zertrümmert der Geistesflug eines Acostas, der über die engen Schranken des Dogmas zur Wahrheit ausstrebt. Da herrscht der Priester, und mit seinem kleinen und großen Banne hält er despotisch die Zügel der Herrschaft fest. Freilich wäre Acosta kein dramatischer Held, wollte er seine Ueberzeugung um Pricsterunduldsamkcit opfern; doch der Spalt, der ihn von seinen Glaubensbrüdern trennt, erweitert sich durch die Liebe zu Judith, durch den finanziellen Zusammenbruch Manaffes, den sein Nebenbuhler in seiner Liebe zu Judith neidisch herbeigcführt hat, und endlich im höchsten Maß — durch und durch jüdisch empfunden — durch die Liebe zur greisen Mutter. Das schiebt und drängt ihn zum Widerruf — dann aber, weil er sein inneres Ich, den Menschen in sich durch Preisgabe seiner Ueber-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.