Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Das Wesen des Judentums
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 385 (sequence 9)
- Language
- German
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Das Wesen des Judentums- 385 gebrochen, daß es den reinen Monotheismus begründet, der Menschheit den Glauben an den einigen und heiligen Gott gegeben hat. Zu Helles Licht strahlte dieser Glaube aus, als daß die heidnischen Völker es hätten ertragen können; erst die durch ein polytheistisches Medium reflektierte Trinität war ihrem schwachen Auge angemessen. Der Fortschritt der Erkenntnis, die Entwickelung des philosophischen Denkens haben ganz allmählich die erleuchtetsten Geister für den Monotheismus des Judentums reif gemacht. Dieser Glaube gilt ihnen allein als geeignet und berufen, den Kamps gegen die atheistischen Strömungen der Zeit aufzunehmen. Herrn Dr. Jakob freilich, dem die Erstarkung des re-igiösen Gefühls während der letzten Jahrzehnte völlig unbekannt zu sein scheint, können diese Strömungen nicht rasch genug zur H rrschaft gelangen; darum wünscht er mit richtigem Instinkt das spurlose Verschwinden des einzigen Faktors, der diesem Streben erfolgreichen Widerstand entgegenzuiehen vermag. Aber das Judentum wird ihm diesen Gefallen nicht er werfen, die Kraft des Glaubens, die es bisher erhalten hat, wird auch fernerhin nicht versiegen, denn noch ist feine Aufgabe nicht erfüllt. „Das Judentum", schreibt Renan, „welches in der Vergangenheit so große Dienste geleistet hat wird deren auch noch in der Zukunft leisten." Noch haben und hüten wir das Bucb, das die unvergängliche Urkunde des ethischen Monotheismus ist, an das jede Verjüngung der Religion anknüpfen muß nnd bisher auch angeknüpst hat. Die Bibel wird, das ist unser fester Glaube, einst auch den Tag herbeiiühren, an dem wir als Juden „unterrauchen" können, den Tag, den Israels Propheten verkündeten, an dem Gott einzig sein wird und sein Name einzig. Wann dieser Tag kommt, ob er fern ist oder nahe, wieviel oder wie wenig wir bis dahin zu leiden haben, das steht in Gottes Hand und kein Mensch vermag es zu bestimmen. Eine Gewähr für die nächste Zukunst bietet die Religion ebensowenig, wie Herr Dr. Jakob versichern kann, daß nach seinem Vorschlag ganz plötzlich alle Not der Juden beseitigt wird. Mitten in einer Welt von Feinden haben unsere Väter durch die Kraft des Glaubens sich erhalten, und wir sollten in weit günstigeren Zeiten unter dem Schutz von. Recht und Gesetz feige die angestammte Fahne verlassen? Der Fortschntt in der Befreiung der Juden ist r ine Skala der fortschreitenden Humanität und Cioitiiation. Uns selbst ausgeben, das hieße den Glauben an die sittliche Zukunft der Menschheit anfgeben. Solche und ähnliche Getanken würden die Lehrer des modernen Judentums unserm Verfasser entgegengestellt haben. Qb er ihre