Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Das Wesen des Judentums
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 386 (sequence 10)
- Language
- German
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386 Im Deut) eben Reick. B lehrung gesucht hat? Man muß es bezweifeln. In Gabriel Rießer's Schriften, in Abraham Geigers zwei Sendschreiben „Ueber den Austritt aus dem Judentum" hätte er die mangelhaften Gründe, die er verbringt, auf jeder Seite widerlegt gesunden. Die tief innerliche Ueberzeugungstreue, der edle Männer stolz in den genannten Schriften hätten ihm das Judentum in einer neuen Beleuchtung gezeigt, in einem Lichte, wie er es in den engen und dumpfen Gaffen des Ghetto's nie schauen konnte. Dann hätte er vielleicht ein weiteres Jahrzehnt dem Studium gewidmet, und er hätte begreifen gelernt, wie jüngst ein Philosoph sich über die Bedeutung und die Zukunft des Judentums ausgesprochen hat: „Jude sein heißt, als den Grund des Daseins, als den Halt der Welt den einig einzigen Gott bekennen. Das ist der Kern der Sache; das ist auch das einzige Herz der Sache. Daher muß die Existenz des Juden in der modernen Kultur haltlos, schwankend, zweideutig werden, wenn nicht dieser Leitstern aus allem seinem Denken, Fühlen und Handeln hervorleuchtet; daß er mit ganzer Seele an den Gott der Geschichte glaubt, den die Propheten offenbart habeu. Der Gott Israels ist in der mesfianischen Idee zur Offenbarung gekommen; er ist der Gott der Weltgeschichte. Dies ist die Wurzel unseres Glaubens, und es ist die Quelle unserer Ethik."