Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Das Wesen des Judentums
Date
1904-07-01
Page
384 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316722-2333518--12620-2333608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

384 Im deutschen Reich. daraus berechnet, die Menschen zu demoralisieren, und eine freche Frivolität, die Gott wie die Wahrheit, den Glauben wie das Recht höhnt, und das Heiligste mit Fußen tritt, zum her> schenken Geist zu warben — er hätte fürwahr für unsere Tage kein passenderes erfinden können, als das der bürgerlichen Unfähigkeit des Glaubens wegen." So schrieb vor 70 Jahren, als die Rechtlosigkeit der Inden eine ganz andere war als heute, der edle Gabriel Rießer. Der geborene Christ mag die Freiheit haben, seine Stellung zum Dogma selbst zu wählen, der übertretende muß sich zu den geltenden Lehren der Kirche bekennen, wenn ihre Pforten sich ihm erschließen sollen. Unser Verfasser kommt auch darüber mit einem schonen Schlagworte hinweg: „Meint Ihr, daß Eure Offenbarungsgeschichte wahricheinlicher klingt als die christlichen Dogmen?" Es liegt uns fern, den Wahrheilsgehall beider Religionen hier gegen einander abzum ssen. Aber einem christlichen Autor wollen wir das Wort geb.n, Albert Friedrich Berwr, der also schreibt: »Eine Bekehrung der Juden zu einem noch poly Heistisch grsäibten und durch scholafti'che Dogmatik verunstalteten Christentum ist nicht nur nicht zu wünschen, sondern wo möglich zu verhindern, weil sie die Entwickelung der Religion zu höherer Wahrhcit und Reinheit ihrer wirksamsten Triebkraft berauben würde. Das Judentum war und ist zur unwandelbaren Behauptung des reinen Menctheismus berufen. Rur diejenigen Juden können uns föidern, welche sich auf keine Transaktion einlaffen, mit ihrem G wissen nickt kapitulieren, sondern den heidnischen und scholastischen Elementen des Christentums einen unerschütterlichen Widerstand leisten." Die Ungereimtheiten des El'as Jakob'scken Aufsatzes kommen daher, daß der Verfasser meint, das Judentum zu kennen, weil er im vtrecksr undLetkLmiärascb Bibel und Talmud studik>t hat, während er in Wirklichkeit von der Kenntnis des W.fcns des Judentums weit entfernt ist. Hören wir feine Entdeckung: „Die Grundidee oder das Wesen des Judentumes besteht in dem Streben, die Alleinherrschaft der Ethik zu begründen und die Logik und die Acstheiik, sofern sie nicht ethischen Zwecken dienen, rückfichtSlos zu bekämpfen." Die Grundidee deS Judentums wäre dennoch ein Streben! Wir hatten bisher geglaubt, der Grundgedanke des Judentums und lein Wesen sei der Glaube an den einzigen, heiligen Gott: eist als Konsequenz dieses Glaubens ergibt sich das Streben nach Heiligung, nach Sittlichkeit des Menschen. Das ist das welthistoiijche Verdienst des Judentum», daß es zuerst in det Welt mit allen Mythologien

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.