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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 383

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Das Wesen des Judentums
Date
1904-07-01
Page
383 (sequence 7)
Language
German
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Das Wesen deS Judentums. 383 die vielfachen Zurücksetzungen noch so sehr beklagen, es gehört doch eine ungeheure Verblendung und Undankbarkeit dazu, den großen Fortschritt zu verkennen, den wir seit einem Jahrhundert gemacht haben. Die Zeiten und die Rechtsanschauungen haben sich geändert, die Juden, die während des Mittelalters als Fremde oder als Uugläubige aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren, sind Bürger geworden. Der moderne Staat ist keine Rassen- und keine Religionsgemeinschaft; früher oder später muß die Lüge, die seine Rechte zum ausschließlichen Besitz einer Rasse oder Religion macht, verschwinden. Darin besteht der Unterschied zwischen den Maffacres von einst und setzt, zwischen der Sprache Hamans und der der heutigen Judenfresser. „Die Intoleranz unserer Zeit verhält sich zum Religionseifer des Mittelalters, wie sich die Lüge zum Glauben, wie sich eiskalter Hohn zur warmen Verehrung verhält." Soviel zur tatsächlichen Berichtigung, nun aber zur Sache selbst. Also ein .Unternehmen"; das Judentum wäre uns nichts weiter als ein Handelsgeschäft, im besten Falle eine Aktiengesellschaft, darin man von Zeit zu Zeit seine Bilanz zieht, nach der jeweiligen Konjunktur die Energie des Betriebes gestaltet und die Beteiligung von dem Gewinn abhängig macht, den das „Unternehmen" abwirft. Da hätte jener lippische Abgeordnete Recht mit dem weisen Ausspruch: „Die Religion besteht darin, daß der Mensch seine Nahrung finde. Wenn der Mensch die nötige Nahrung hat, kommt die Religion von selber." Für einen Parlamentarier nicht übel, ob aber auch für einen Mann, der „von Aristoteles und Spinoza, von Kant und Schopenhauer ausgehend und über sie hinweggehend, sich seine Weltanschauung zurechtgelegt hat", das mag der Leser selbst entscheiden. Wer einer so laxen Anschauung von der Religion huldigt, wird sich freilich wenig bewußt, welche Ungeheuerlichkeit in dem Rate liegt: „Tauchet unter, verschwindet!" Untertauchen, das heißt aus der Bildersprache in klares Deutsch übertragen: zum Christentum übertreten. Eine alte Weise mit einem neuen Text! Das einzige, was uns von unsern Mitbürgern unterscheidet, ist unsere Religion, sie wollen wir nimmer preisgebeu; wie unsere Väter werden wir für sie zu leiden und zu sterben wissen. Bequemer ist es freilich, „sich zu dem Gott zu bekehren, dem der Sieg zugefallen", auch einträglicher; aber daß ein solcher lukrativer Uebertritt gleich schmachvoll ist für den, der ihn vollzieht, wie fiw den Staat, der ihn fordert, darüber besteht unter allen Freunden der Wahrheit und Rechtlichkeit nur ein vernichtendes Urteil. „Wenn der Teufel ein System der Gesetzgebung zu erfinden gehabt hätte,

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