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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 382

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Das Wesen des Judentums
Date
1904-07-01
Page
382 (sequence 6)
Language
German
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Im Deutschen Reich. 382 Euch aufzunehmen. Und wie bei den Kommilitonen, so geht es Euch beim Militär, bei jeder Bewerbung um irgend ein Staatsamt, in allen Berufsklaffen und Gesevschaftschichien, im öffentlichen und im Familienverkehr. Ueberall werdet Ihr hinausgedrängt, höflich oder schroff, je nach dem herrschenden Ton." Die alte Geschichte, weil unsere Nasen, unsere Gesten nicht gefallen, weil man unsere Rasse verschmäht, darum sollen wir die Idee aufgeben, deren Richtigkeit und Vortrefflichkeit niemand verkennt. Dann hätten also die Judenfeinde Recht, daß dem modernen Juden für Geld und Ehren alles feil sei, daß er auch mit dem Heiligsten und Teuersten Schacher treibe. Was jeder Mann von Charakter mit Entrüstung von sich weisen würde, das mutet man uns Juden zu, damit jener Rest von Selbstgefühl und Selbstachtung, den der Druck uns noch gelaffen, den freien Männern genommen werde. Fühlt sich der Verfasser nicht beschämt, wenn er die Meinung vorurteilsloser Christen über diesen Punkt vergleicht? „Wenn jetzt die Juden von so manchem Christen mit Widerwillen angesehen werden, so muß der Christ nie vergessen, wer die Schuld an ihrem heruntergekommenen Zustand trägt. Wenn noch eine Faser sittlichen Gefühls in ihm zuckt, so muß ihn Reue und tiefer Schmerz erfüllen, und er muß alle Mittel ergreifen, um frühere Schandtaten zu sühnen." So schrieb M. I. Schleiden, der große Naturforscher, deffen Zentenarfeier wir eben begangen haben. 1 An diesem Punkte liegt der Grundirrtum jenes Aufsatzes, daß überall die Idee des Judentums mit dem Judenhaß durcheinandergeworfen wird. Der Verfasser will durch Induktion (?) festgestellt haben, daß die Grundidee des Judentums verfehlt ist; er meint natürlich, daß die Träger der Idee gehaßt und verfolgt werden. „Wenn ein Unternehmen nach langem Gedeihen ins Stocken geraten ist, so mag man das Recht haben, über die Ungunst der Zeit und der Umstände zu klagen und auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Wenn aber das Unternehmen von Anfang an als unglücklich sich erwiesen hat und im Lauf der Zeit immer ungünstiger sich gestaltet: mit welchem Recht will man da über Zeit und Umstände klagen und auf eine bessere Zukunft hoffen? Es ist eben ein verfehltes Unternehmen, für das es nur einen einzigen Ausweg gibt: die Liquidation oder den Konkurs." Es sei nur vorübergehend bemerkt, daß auch hier wieder eine ganze Menge unrichtiger Behauptungen, vorliegt. Hat wirklich das „Unternehmen" im Lause der Zeit sich immer ungünstiger gestaltet? Man mag die Derhältniffe der Gegenwart recht traurig finden, mag

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