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Im deutschen Reich · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. 380

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Das Wesen des Judentums
Date
1904-07-01
Page
380 (sequence 4)
Language
German
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380 Im deutschen Reich. stände unter Trafen und Hadrian, sowie durch die christliche Propaganda auf eine verschwindende Zahl zusammengcschmolzen, und erst nach dem Abschluß des Talmuds beginnt die allmähliche Verbreitung der Juden in Europa. Aber auch in den Ländern der Zerstreuung haben die Juden von dem Kulturleben ihrer Umgebung sich nicht abgeschlossen, unter den Arabern arabisch, in Spanien und Portugal spanisch und portugiesisch, in Deutschland deutsch geschrieben und gesprochen. Erst als nach den Kreuzzügen ihnen in allen christlichen Ländern das Leben zur Hölle gemacht wurde, haben die Juden sich apf sich selbst zurückgezogen und die Absperrung, den Ausschluß von der bürgerlichen Gesellschaft, der ihnen aufgezwungen wurde, auch ihrerseits zum System erhoben. Und selbst dann noch haben die Juden des Ostens mit einer Zähigkeit und Dankbarkeit, auf die ihre Verfolger und Peiniger wahrlich keinen Anspruch batten, auch nach der Vertreibung die spanische und dcutiche Sprache ihrer ehemaligen Heimat bis auf den heutigen Tag erhalten. Und diejenigen Züge der ieidvollen Entsagung und der scheuen Welkflucht, die durch furchtbare Verfolgungen, unter einem unerträglichen Druck und Haß dem Juden gewaltsam ausgeprägt worden sind, sie sollen heute das wahre Bild des Judentums ausmachen! Weil die Juden, die gegenwärtig noch in dieser traurigen Verfassung leben, auch am Talmud festhalten, soll das die Weltanschauung des Talmud sein! Das biblische Judentum soll mit dem nationalen Staat sein Ende gefunden, das talmudische sich mit der bewußten K'uste umgeben haben, und seit dem Abschluß des Talmud, so lehrt unser Prophet, hat sich das Judentum nicht mehr entwickelt. Wirklich nicht? Ist es denkbar, daß eine Gemeinschaft, deren Intelligenz und geistige Regsamkeit unbestritten dastehen, die unter dem Ernfluß der verschiedensten Bildungen und Gesittungen zu leben gezwungen war, von all den geistigen Bewegungen, die seit 1500 Jahren auf Erden sich vollziehen, völlig unberührt bleiben konnte? Die Juden im Mittelalter, das wurde uns ja doch concediert, haben der Welt die Schriften des Aristoteles übermittelt. Wie? Dieselben Menschen, die schon ein Jahrtausend vorher — wie war es doch gleich — wie Schatten durchs Leben huschten, ihre Wirtsvölker als unrein verachteten usw. usw. — sie halten genug geistige Kraft, um derKulnn einen so wichtigen Dienst zu leisten? Und der Gedsnkenschatz. den sie übermittelten, wäre an ihnen selbst spurlos vorübergegangen, sie hätten anderen eine Weltanschauung zu lehren vermocht, ohne selbst von ihr durchdrungen zu sein? — wahrlich, die Juden des Mittelalters müssen mehr als Nebermenschen — oder aber die Aus-

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