Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Das Wesen des Judentums
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 379 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Wesen des JudenLuus. 379 Ganz ohne Lösung des Problems werden wir nicht entlasse n aus der Idee des Judentums, wie sie dem Verfasser sich darstellt, joii die Lösung sich ergeben. Aber man täusche sich nicht; was da geboten wird, ist eine Apologie des Ghettolebens, die Idee des Judentums ist das nicht. In sehr warmherzigen Ausführungen, die nichts von der gewohnten Art des Apostatentums haben, wird an einzelnen sympathischen Zügen eine Weltanschauung des Talmuds entwickelt, die vielgeschmähten und viel verachteten „osteuropäischen Iudenmassen, die noch streng unter der Herrschaft des Talmuds leben", werden unter der Verklärung der „Alleinherrschaft der Ethik" gezeigt. „Menschen, die wie Schatten durch das Leben huschen, die nichts für das Land, in -dem sie leben, empfinden, die ihre Wirtsvölker als unreine Geschöpfe verachten, die Sprache, Sitten und Gebräuche und alles, was diesen Völkern heilig ist, verabscheuen. Menschen, die das Leben als Warteraum betrachten und stets darauf harren, wann sie der Messias nach dem Gelobten Lande oder der Tod in die Gefilde der Seligen bringen wird. Diese -Menschen, deren Augen verlernt haben, Freude an den Schönheiten der Natur und Kunst zu empfinden, die keinen Sinn für eine harmonische, wohlgeordnete und systematische Gedankenentwicklung haben, die bei allem Empfinden, Denken und Handeln stets nur nach Zwecken fragen, wenn es auch nicht immer gemeine Nützlichkeitszwecke sind, sondern sehr oft gute, edle und heilige Zwecke.'' Unter diesem Bilde, das glauben wir wohl, möchte der Verfasser, möchten alle seine Gesinnungsgenossen das wahre Judentum erscheinen lassen, sie möchten es von der gesamten gegenwärtigen Kultur und Gedankenrichtung ausgeschloffen zeigen, möchten es geistig und politisch eingepfercht sehen, damit es verschruwpfe und sie selbst umso gerechtfertigter dastehen,, daß sie sich aus der engen Beschränktheit in die freie, weite Geistessphäre außerhalb des Judentums gerettet haben. Wohlgemeinten Wünschen dieser Art stellen sich die Tatsachen der jüdischen Geschichte mit unbesiegbarer Kraft entgegen. Gleich der Ausgangspunkt, daß es die Hauptaufgabe der Talmudisten war, „die in zersprengten Haufen und unter den verschiedensten Völkern lebenden Juben so auszurüsten, daß sie von den Wirtsvölkern nicht aufgesogen werden können", verrät völlige Unwiffenheit. Denn die Juden lebten zur Zeit des Talmuds in kompakten Maffen in Palästina und in Babylonien, und nahmen in Sprache und Sitte an dem Leben ihrer Nachbarn Anteil. Die Diaspora war durch die heldenmütigen Auf-