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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 347

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-06-01
Page
347 (sequence 14)
Language
German
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Umschau. 347 zu erregen; es ist deshalb erfreulich., wenn von jüdischer Seite diesen Versuchen mannhaft entgegengetreten wird. Der Pfarrer Skowronne? in Bogutschütz hatte öffentlich bebauptet, ,daß der polnisch - sozialdemokratisch - jüdische Reichstagsabgeordnete Korfanty am Abend der Stichwahl von zahlreichen Juden beglückwünscht worden sei." Herr Stadtrat Salomon Wiener in Kattowitz hat dies in einem offenen Schreiben bestritten und nach, gewiesen, daß nur einige frühere Schulkameraden Korfaniys und zwek Warenlieferanten ihm nach der Stichwahl gratuliert hätten. Trotzdem den jüdischen Wählern ihre Angehörigkeit zu der in einem Flugblatt des Zentrums gehässig angegriffenen freisinnigen Partei als Provokation der katholischen Bevölkerung angerechnet und mit Maffacres;Y ]a Kischinew gedroht worden sei, hätten die jüdischen Wähler in der Hauptwahl zumeist für den freisinnigen Kandidaten und in der Stichwahl, der Parteiparole entsprechend, für den Zentrumsmann gestimmt, dem von den freisinnigen Stimmen nur 100—200 verloren gegangen sind. Die Wahlniederlage des Herrn Amtsgerichtsrats Letocha sei von den jüdischen Wählern sehr bedauert worden, und auch die freisinnige Partei hätte, da nun einmal der Wahlerfolg für einen Kandidaten ihrer Parteistellung nicht erreichbar war, niemandem lieber den Wahlsieg gewünscht als Herrn Letocha, da dieser, ein kenntnisreicher und verdienter Parlamentarier noch aus der Windtborstschen Schule her, von seinen Parteigenossen den Freisinnigen politisch noch am nächsten stand. Auch die Synagogen-Gemeinde Kattowitz hatte vor Jahren von den guten Diensten des Herrn Abgeordneten Letocha in der Ministenalinstanz in ihrem Interesse Gebrauch gemacht. Herr Wiener sagt schließlich: „Es war also in der jüdischen Bevölkerung das Bedauern darüber, daß Herr Letocha Herrn Korfanty in der Stichwahl unterlegen ist, allgemein und das Märchen von dem entgegengesetzten Verhalten der „Kattowitzer Judenschaft", welches Herr Skowronek verbreitet, hat deswegen besonders verstimmt. Ich glaube, daß, wenn die Beanstandung des Korfantyschen Mandates schließlich zu einer Neuwahl führen sollte, die jüdischen Wähler, trotz Herrn Skowronek, bei der engeren Wahl mit überwältigender Mehrheit für Herrn Letocha eintreten werden. Daß sie dies aber schon im ersten Wahlgange und in Gegnerschaft zu einer aufgestellten freisinnigen Kandidatur tun, das kann kein gerechter Mann von ihnen verlangen." Das Verhalten des Herrn Pfarrer Skowronnek wird erklärlich, wenn man rvahrnimmt, wie das Berliner Centrumsblatt „Germania* trotz aller katholikenfeindlichen Aeußerungen der Antisemiten immer wieder den antisemitischen Pferdefuß heraussteckt. Eine sozial-

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