Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 346 (sequence 13)
- Language
- German
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346 Im deutsch»« Reich. Wenn irgend ein Ton Widerhall in den jetzt maßgebende!! Kreisen finden kann, so ist es gewiß nicht der der Drohung solcher Leute, die nur durch fortgesetztes Schreien den täuschenden Glauben zu erwecken suchen, daß ein großer Teil der Bevölkerung hinter ihnen stände, sondern eher der humoristische Ton gemütlichen Entgegenkommens, den der Abgeordnete von Bodelschwingh im Abgeordnetenhaufe anschlug, um in scheinbar harmloser Weise recht ernste Forderungen zur Geltung zu bringen, oder jener Ton steter Geneigtheit zu „Kompromissen unter coulanten Bedingungen", durch welchen das Centrum seine tatsächlich vorhandene Macht seit langer Zeit sehr geschickt benutzt. Einzelnen Sätzen der Bodelschwinghschen Rede war deutlich zu entnehmen, daß der Abgeordnete nicht nur in Bezug aus das christlichsoziale Programm, sondern auch in der „Judenfrage" dem Standpunkte Stöckers nicht fern stehe, daß er aber durch Befürwortung der „Kanalvorlage" der Regierung gegenüber seine von den konservativen Agrariern abweichende gouvernementale Stellung zu kennzeichen wünsche. Offenbar ist der alte humorvolle Herr ein viel schlauerer Politiker als der Hofprediger a. D. Adolf Stöcker, der sich durch seinen „Raffenantisemitismus" wieder einmal gründlich verrannt und es sogar mit der evangelischen Geistlichkeit der Reichslande völlig verdorben hat. Die öffentliche Aufforderung Stöckers, gegen den von Juden abstammenden Protestanten Blumenthal und für den klerikalen Kandidaten Hauß zu stimmen, hat in der gesamten evangelischen Bevölkerung des Reichslandcs peinliches Befremden hervorgerufen. Das Organ des Pastors Wolf teilt mit, daß auch die evangelische Geistlichkeit der Reichslande die Unterstützung der Klerikalen durch einen evangelischen Pfarrer durchaus verurteile. Stöcker hatte kür den Festgottesdienst, der die in Straßburg am l. Juni stattfindendc 40. Jahresversammlung der Südwestdeutschen Konferenz für innere Mission einleiteit sollte, die Festpredigt übernommen. Der Vorstand der Landeskonferenz für innere Mission in Elsaß-Lothringen hat angesichts dieses bedauerlichen Zwischenfalles Herrn Stöcker ersucht, er möchte im Hinblick auf seine Stellungnahme im Wahlkampf von Straßburg-Land auf seine Festpredigt verzichten!!! Uebrigens hat Blumenthal öffentlich erklärt, daß er wegen der Wiedergabe der Stöckerfchen Aeußerung, „er habe vom Christentum in frecher Weise gesprochen", den Redakteur Hauß und das Wahlkomitee der klerikalen Partei für den Kreis Straßburg-Land, welche das Flugblatt Unterzeichneten, wegen Beleidigung gerichtlich belangen werde« Auch innerhalb der Zentrumspartei bemühen sich leider immer wieder einzelne Parteimitglieder, Mißstimmung gegen die Juden