Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 345 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 345 gebung etwa zum I.Mai angeordnete Maßregel in dieser verletzenden Weise zu bezeichnen und von einem Verbalten unserer berittenen Schutzleute zu schreiben: „Es erweckte den Einbruch als hätte sich eine Schar Raubritter mit Fußreisigen in den Hinterhalt gelegt, um einmal einen guten Fang zu machen. So wurde erst durch das Eingreifen der Polizei die Ordnung gestört". Dasselbe Blatt berichtet, daß aus Anlaß des Wahlsieges im Kreise Eschwege-Schmalkalden für den 29. Mai ein großes Volksfest auf dem Meißner bei Esckwege vorbereitet gewesen sei, daß dieses Fest aber in letzter Stunde habe abbestellt werden muffen, weil der Landrat in Witzenhausen die von dem Bürgermeister erteilte Genehmigung nachträglich zurückgezogen habe. Seine höchst befremdliche Verfügung sei in einem zu erwartenden ungewöhnlichen Menschenandrange begründet worden. „Den wahren Grund für das Vorgehen des Landrais" sagt es „erblicken wir in der heutigen Strömung in hohen Kreisen, die dahin geht, die deutschnationale antisemitische Bewegung niederzuhalten. Der Landrat von Witzenhausen mag ja für diese Strömung in höheren Regionen ein gutes Verständnis haben und er mag bemüht sein, dieser Strömung entgegenzukommen, das ist seine Sache, darüber wollen wir uns mit ihm nicht weiter auseinandersehen." Man braucht keine Begeisterung für scharfe Derwaltungemaßregeln zu h gen; man kann jede Einschränkung der Versammlungs- und der Preßfreiheit als bedauerlich anseben und es doch mit Freuden begrüßen, wenn dieselben Männer, die sich feit Jahren beständig als die einzigen „deutsch-nationalen, königstreuen Männer" hinstellten, einmal gezwungen werden, Farbe zu bekennen. Die Sprache, die sie jetzt führen, muß die Regierung dazu bringen, diesen anspruchsvollen, Boykott treibenden „politischen Gewerksgehilfen" zu sagen: ,Jetzt zeigt Ihr Euer wahres Gesicht; bis jetzt war es nur die Larve?" Werl das Kriegsministerium aus „militärischen Gründen" das Angebot des Rentiers Rudolf Hensel abgelehnt hatte, auf feine Kosten den „Kaiserstein" auf dem Tempelhofer Felde einzufriedizen und zu schmücken und auch ein bezügliches Immediatgesuch, das auf dem üblichen Wege dem Ministerium des Innern zur Prüfung überlaffen wurde, Ablehnung fand, versteigt sich das Antisemitenblatt sofort wieder zu der Drohung: „Verschwindet der patriotische Geist, hört die Liebe zu Kaiser und Reich aus, so sind wir am Ende unserer Tage, dann ist der Umsturz an der Reihe." Der „Staatöbürger-Ztg." scheint die Tatsache fremd zu sein, daß solches Bangemachen mit einem großen „Kladderadatsch" im Berliner Residenzsch loste noch nie verfangen hat. daß auch die Hohenzollern „nur Gott, sonst nichts auf der Welt fürchten?"