Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 344 (sequence 11)
- Language
- German
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344 Im deutschen Reich. Unter stürmischer Heiterkeit des Publikums bczeichnete es der Abgeordnete Oswald Ztmmermann als eine überraschende Ehre, infolge der polizeilichen Vor sichtsmaßregeln aus Tegel „mit Spitzenreitern nach der Residenz zurückgefahren zu sein" und fügte später hinzu: „Ob uns die Sonne von oben lacht oder ob die Ungunst uns droht, wir kümmern uns darum nicht, sondern wir werden unsere Pflicht tun für unjer Volk, für unsere Zukunft und werden trotz aller Widerwärtigkeiten im Kampfe ausharren. Zn einer Zeit, wo Rat Henau, Simon und Gen osten denPlatzanderSonnebesitzen, kann uns nichts überraschen. Nicht zum ersten Male werden deutsche Patrioten falsch beurteilt, zur Zeit der F eiheitskämpfe war es ebenso. Wie mancher Freiheitskämpfer ist verlästert, ja zum Tode verurteilt worden, als dann aber die Stunde der Not kam, da appellierte man „an. fein Volk," und das Volk war da." Um nicht hinter diesen „königstreuen" Genosten zurückzustehen, sagte Bruhn selbst in seiner Dankrede: „Ich bekenne freimütig, daß mir Liebe und Dankbarkeit meiner Gesinnungsgenossen werivoller sind, als der Wandelbarkeit unterworfene Herrengunst. In unserm Kampfe, der für uns eine heilige Lebensaufgabe ist, werden wir niemals geneigt sein, unsere Anschauung solchen Meinungen und Wünschen unterzuordnen, die wohl höher stehen, aber darum nicht richtiger und nicht besser sind, als die unfrigen." — Trotzdem sind die ergrimmten Anhänger Bruhns keineswegs abgeneigt, sich wieder mit dem auszusöhnen, der ihrer Meinung nach zu Unrecht den „Rathenau, Simon und Genoffen den Platz an der Sonne gönnt," wenigstens zeigte „Ihm" der Verteidiger Bruhns Rcchisanwalt Simons gurmürig den nächsten Weg nach dem Vorhofe des „antlstmitifchen Canoffa" mit den Worten: „Nichts liegt mir ferner, als unser Verhältnis untergraben zu wollen zu Kaiser und Reich. Ich faste das Verhältnis so auf wie zwischen Vater und Sohn. Auch im Familienleben kommt es oft vor, daß ein kräftiger, tüchuger Sohn, der seinen eigenen Willen hat, als ungeratenerSohn verstoßen wird. Dann muß er zeigen, daß er allein etwas kann, und dann wird ihn auch die Familie gern wieder aufnehmen." Der Antiiemit weiß ähn.ich wie „Mephisto" sich trefflich mit dem „ungeratenen Sohn", doch „mit der Polizei sich schwerer abzufinden". Von einem Mitgliede des Berliner konservativen Bürgervereins druckt die „Staatsbürger -Ztg." eine längere Klage über die Verhinderung des Bruhnschen Triumpbzuges unter der Überschrift „Der Ueberfall an der Abdeckerei" ab. Wir möchten keinem sozialdemokratischen Blatte raten, eine von dem Polizeipräsidium behufs Verhinderung einer antimonarchtschen Kund-