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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 330

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-06-01
Page
330 (sequence 5)
Language
German
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330 Im deutschen Reich. Johannes der Täufer war bekanntlich ein Vorläufer des Nazareners, der das Nahen des Messiasreiches predigte; Herodes Antipas ein Sohn von Herodes dem Großen, ließ auf Antrieb seiner Gattin Herodias jenen enthaupten. Das ist der historische Hintergrund zu Gudermanns Dichtung, deren Zeit 29 n. Ehr. ist. .Gibt es ein Licht in Israel, das nicht von seinem Haupt erstrahlte?" läßt der Dichter über ihn sprechen, über ihn „den großen Rabbi, den sie den Täufer nernlen", „dessen Namen man nennt zu Jerusalem und auf den Gassen." Und Johannes urteilt über die Juden von damals, deren Priester an Lüsten hängen und im Staube kriechen vor dem Römer — und ihr König? „Herren sind wir überall, ob so ein Herodes da ist oder nicht", darf ein römischer Kriegsknecht sagen! Pasur hat für das Paffahfest Granatholz feil, um das Lamm daran zu braten. „Gewürzlein, um den heiligen Süßbrei damit zu bereiten", die heiligen Bitterkräuter, Kresse, Lauch und Lorbeerrosen — „alles ist da, genau nach Vorschrift." Aber die Käufer fehlen, und sein Nachbar Eliakim bietet vergebens Zizith und die schönsten Tepbillim feil. Und die Zeloten sind daran schuld, „sie steigen in die Städte nieder, mit einem kurzen Dolch unter dem Mantel. Und wo sie einen finden, der sich vergeht gegen das Gesetz in Worten und Taten, den treffen sie hinterrücks"; sie wollen nicht leiden, daß der Mann den verrenkten Fuß seiner Frau küblt, wenn Pesach .angebrochen ist, und Pasur klagt, „wen der Römer nicht schlägt, den schlägt das Gesetz." Demnach hängen sie am Gesetz; in der Pesachnacht liegen die Pilger auf den Stufen des Tempels und harren des Rufes „es hellet sich auf gen Hebron", um nicht das Morgengebet zu versäumen; Rauch von den Brandopfern steigt am Passah gen Himmel. Selbst des Meisters Jünger Josaphat hadert mit diesem, „du nahmst uns das Gesetz — was gabst du uns dafür?" So erkennen wir. woran das jüdische Volk krankte — es, hing am Buchstaben des Gesetzes, und seinen Geist begriff es nicht. — Ganz erfüllt von diesem sittlichen Tiefstand des Judentums jener Zeit ist Judas Jscharioth, wie ihn Elise Schmidt mit packender, dramatischer Kraft, o^st mit dämonischem Feuer zeichnet; „er ist, je länger, je mehr inne geworden, daß das Judentum einer Rettung unwürdig sei, dah seine Lebenskraft verdorrt, der Quell der Wiedergeburt in ihm vertrocknet ist." (H. Th. Rötschek.) Wohl möchte er selbst der Besserer seines Volkes werden, dem er in Treue angehört, wenn er sich auch von der durch Gewohnheit und Erziehung bedingten, stummen Unterwerfung unter alle Satzungen defreit hat; doch verzagt er an seiner Kraft. Zum Verräter an dem als Messias auf-

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