Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Die Methode eines modernen Historikers
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 322 (sequence 4)
- Language
- German
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322 Im deutschen Reich. Der Auswahl der Quellenzeugnisse entspricht die der Binder. Jede Darstellung, in der Haß und Verachtung gegen die Juden ihre» Ausdruck gefunden haben, wird sorgfältig angeführt. So folgen z. B. von Nr. 69 ab folgende Abbildungen aufeinander: Porträt des Jud Süß. Flugblatt auf die Hinrichtung des Jud Süß mit typographischer Darstellung des Galgens. Zug zur Hinrichtung des Jud Süß. Flugblatt auf den iu seinem Leben verdammten Hochmut und Betrügereien! dem Jud Süß gleichenden Juden Isaak Nathan Jscherlein. Hin-! richtung des brandenburgischen Münzenmeisters Lippold zu Berlin.! Spottbild auf den Betrug der Juden und so fort in gleicher Art. Das Ganze ist eine kluge Spekulation von Liebe. Wer das deutsche Offizierkoips ausschließlich aus modernen Romanen kennen lernt, muß es schließlich für eine Herde von Idioten hallen, und. fast sieht es so aus, als wollte Liebe nach gleichem Rezept die Juden als Gauner und Betrüger erscheinen laffen. Der ruhige Betrachter wird einen andern Eindruck von diesen Bildern erhalten. Sie spiegeln die Roheit der Zeilen und der Kreise wieder, denen sie entstammen. Darriiir sind diese zum Teil scheußlichen Karrikaturen im Grunde eine Rechtfertigung der Juden und cine furchtbare Anklage gegen ihre Feinde. Das Bild Nr. 71 (Zug zur Hinrichtung des Jud Süp) mit der behaglichen Ausmalung aller Einzelheiten des schrecklichen Augenblicks spiegeltjo recht die widerlicheBrutalilat des 18. Jahrhunderts wieder. Da wird der beigedrucklen Erklärung zufolge abgebildet: „Der Jud auf dem Schinderkarren. Ein Schinderknecht, welcher ihm einen Becher mit Wein gicbt. Der Jud, wie er in den oberen Haken des annoch offenen und zwischen die Leiter ruck-! wärts gebundenen Käsficht aufgehcnckt wird. Die dem Juden abgc-s zogenen Schuh. Parüque, so dem Juden auf der Leiter herunter gefallen", und andere ähnliche Sachen. Es ist gut, daß Liebe auch solche Zeugniffe des deutschen Gemüts mitteilt, um feinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen. Sie machen sein Buch auch zu einer Mono-! graphie zur deutschen Kulturgeschichte. Sie zeigen aber auch, was für Gesindel bisweilen die waren, deren Aussage er gegen uns anführt. Dabei macht, wie wir aus einer Aeußerung Steinhaufens an der angeführten Stelle entnehmen, das Buch in seiner heutigen Gestalt noch einen verhältnismäßig harmlosen Eindruck. Der Verleger, Herr Eugen Diederichs, hatte nämlich „die Aufnahme älterer, verletzender Bilder verlangt," weshalb Liebe manche» Strauß mit ihm gehabt haben soll. Eine wertvolle Mitteilung. die auf den wahren Charakter des Buches helles Licht wirst. Allzusehr.hat ych^ Liebe übrigens auch nicht gesträubt, und das Buch macht darum auch heute noch einen abstoßenden Eindruck, lieber die Juden als Soldaten