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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 320

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Die Methode eines modernen Historikers
Date
1904-06-01
Page
320 (sequence 2)
Language
German
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320 Im deutschen Reich. gewiesen. Nichts habe Liebe ferner gelegen, als diese Absicht. Er mag vielleicht recht haben. Zwar ist das Buch eine Parteischnft im schlimmsten Sinne, aber es hat in der Tat den Anschein, als sei es die Absicht von Liebe weniger gewesen, em Pasquill gegen die Juden zu schreiben, als vielmehr eine Apologie zur Entschuldigung der Judenverfolgungen zu liefern. Die Jadenmorde, die im Mittelalter in den deutschen Landen in Szene gesetzt wurden, gatten bisher immer als ein dunkles Blatt in der deutschen Geschichte, und diesen Schandfleck möchte Liebe gern tilgen. Die Menschen des Mittelalters machte die bisherige Grschichlsauffafsung zu sinnlos wütenden Fanatikern, und die Zetten, die uns im Volkslied und in den köstlichsten Bauwerken Zeugnisse des deutichen Gemütes hinlerlaflen haben, erschienen als in Roheit und Barbarei versunken. Von diesem M^kel w.ll Liede das Mittelalter reinwaschen, dnsem Zweck dient sein Buch und zu diesem Ende bieret er btowetten allerhand Mittel der journalistischen Kunstfärberei auf; aus schwarz wird dann weiß und aus weiß schwarz. Liebe bemüht sich sehr, das Vertrauen des Lesers zu gewinnen. Er predigt darum stets die schönsten GlUndjätze. Es erregt unwrll' kürlich Respekt, wenn er jo viel von Gerechtigkeit und historischer Wahrheit spricht. Ader leider ist das meiste davon nur leeres Gcrcde, zu nichts nütze, als der Welt die Augen zu blenden. Liebe denkt nicht im Traum daran, seine Prinzipien wahr zu machen, im Gegenteil er fetzt sich auf Schritt und Tritt über sie hinweg. „Die Sicherhüt '.tts j Urteils wird zunehmen, ja mehr man sich von den in Für und Wider! parteiisch gefätbren Darstellungen der Zertgenoffen den unblstechüchen - urkundlichen Zeugnissen zuwendet"? Daö ist sehr wahr; wenn Liebe nur auch selber daran denken wollte, aber gerade er wendet sich den allerbestechlichsten und allerpartenjchsten Urteilen der Zelt-, genossen zu. Er ebnet sich mit großer Klugheit das Terrain sammelt mit vieler Berechnung die Sternchen, auS denen er sein Mosackbiid zusammensetzm will. 'Er wlll Zeugen dafür anführer, daß die Juden im Mittelalter schlecht waren, und daß die Christen, die sie torschlugen oder beraubten, in gerechtfertigter Notwehr handelten. Er legt indeffen nicht alle Beweisstücke vor,- wie man von einem auch Nur einigermaßen gewissenhaften Schriftsteller verlangen muß, er ermöglicht keine eigene Prüfung, sondern er schweigt vollstäntig vor den jüdischen Quellen und führt.nur die christlichen an. Sc tv\ scheinen in seinem Buche die Juden gesehen mit den Äugen chrer! Gegner, vielfach kommen nur die Leute zu Wort, die vorher Jnva! gemordet oder geplündert hatten, und denen nun viel taran hegen! mußte ihre Opfer schlecht zu machen, um in den Augen der Welt sich-

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