Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Die Methode eines modernen Historikers
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 319 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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319- Aie Methode eines modernen «Historikers. Von Or. Max Eschelbacher. ^.^or einigen Jahren verlangten die bayerischen Lehrer eine Gehaltsausbesserung. Da machte sich eine Zeitung den Scherz und' erklärte: „Die Lehrer verdienen gar nicht das viele Geld, das sie jetzt , schon bekommen. Sie halten ja in jedem Jahr nur ein paar Tage Unterricht." Und diese These wurde folgendermaßen bewiesen: Kein Lehrer unterrichtet mehr als acht Stunden täglich, das macht den kitten Teil des Tages, also im Jahre einhundertzwanzig Tage.' Davon gehen abcr acht Wochen Ferien ab, und es bleiben somit dierundsechzig Tage. Hiervon zweiundfünfzig Sonntage abgerechnet^ haben wir noch zwölf Tage und wenn man die Feiertage noch weg-'' nimmt, dann sind am Schluß noch drei Nnterrichrs'Tage übrig^- Dafür aber sind die Lehrer auch mit ihrem jetzigen Gehalt, ohne Aufbesserung, mehr als reichlich bezahlt. Einer solchen Argumentation wird jedermann mit Vergnügen ' folgen; ernst wird sie keiner nehmen. Wenn jemandem aber auf einem Gebiete, das er nicht beherrscht, eine ähnliche Beweisführung entgegen-' tritt, dann ist es sehr'wohl möglich, daß er die gröbsten Jrrtümer für bare Münze nimmt: Ein schlagendes Beispiel dafür, wie' eine geschickte Darstellung falsche Begriffe erzeugen kann, liefert! fccrä neueste Werk über die Kulturgeschichte der deutschen Juden f?Das Judentum in der deutschen Vergangenheit"Don Georg' Liebe. Dieses Buch ist in der bei Eugen Diederichs in Leipzig Der* ' legten Sammlung von Monographien zur deutschen Kulturgeschichte" erschienen. Der Prospekt dieses Unternehmens verheißt mit schönen Worten: „Die Menschen sollen in ihrer kraftvollen, ungebrochene Eigenart behandelt werden/ Wenn aber irgend jemand dieser Versicherung untreu wird, dann ist es Georg Liebe. Wir leiden in Deutschland keinen Mangel an tendenziösen Geschichtswerken. Liebe hat aber alle seine Vorgänger erreicht oder übertr offen. Man hat ihm den Vorwurf gemacht, er habe ein anti? semitüches Pamphlet geliefert, aber Herr vr. Steinhaufen, dem Herausgeber der Sammlung, hat diesen Vorwurf öffentlich zurück-