Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Zur Geschichte der Aufnahme von Juden in die deutschen Burschenschaften
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 317 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Aufnahme von Juden rc. 317 Mit ganz verschwindender Ausnahme besteht heute keine studentische Korporation auf deutschen Hockschulen, welche Juden aufnimmt. Der Durckscknittsstudent unserer Tage irt nicht christlich-deutsch; man nennt dies heute deutsch-völkisch; er schwärmt für Bismarck, sein Ideal ist der Pan-Germanimus — ein Zusammenschluß aller germ mischen Völker. Was beute in unserm Lager die Zionisten anstreben, das ist vies verga das Heil und Sehnen unserer deutschen Studenten. — Die deutsche Burschenschaft gehört satzungsgemäß korporativ dem alldeutschen Verband, der Kolonialgcjellscbaft, dem Ostmai kenverein, dem Verein für das nördliche Schleswig und dem deutschen Schulverein an. Das bezeicknet ungefähr die Sachlage. — Die deutsche Burschenschaft als solche muß aber nickt (das wäre ungerecht) in dieser Beziehung als Einzelerscheinung betrachtet werden. — Was die deutsche Burschenschaft heute tut, Lun ungefähr sämrliche Korporationen auf deutschen Hochschulen, dasselbe geschieht im Heere, in einem großen Teile der Beam'enlaufbahn, in fast allen sozialen Schichten unseres Vaterlandes schon von der Sckulbank an, von oben bis unten. In der Derfaffung der deutschen Burschenhaft steht folgender in Gftnach gefaßter Beschluß: „Die Burschenschaft ist eine Verbindung gleich gesinnter, unabhängig und ehrenhaft denkender deutscher Studenten, welche das auftichii e Bestreben haben, die Studienzeit in treuer Gemeinschast und gewrfsenhafter Befolgung ihres Wahlspruches: „Ehre, Freiheit. Vaterland!" zu verleben. Sie stellt es sich zur Aufgabe,, ihre Mitglieder zu tüchtigen, im Denken und Handeln freien und selbständigen Bürgern ciues einigen, nach innen kräftigen, nach außen mächtigen deutschen Vaterlandes heranzubilden. Und ferner: „Die Burschenschaft verlangt von ihren Mitgliedern, daß sie das Prinzip der geistigen und studentischen Freiheit stets vertreten. Die gnstige Freiheit sieht die Burschenschaft in der Lossagung von Vorurteilen, der Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Denkens, der Energie und der Freih.it des Handelns. Die studentische Freiheit sieht die Burschenschaft iu dem Rechte der Sludentenschafr, ihre inneren Angelegenheiten selbständig zu ordnen, und in dem Rechte jedes einzelnen Studenten, von allen akademischen Freiheiten Gebrauch zu machen und sich cm allen sturmlifchen Angelegenheiten zu bet-iligen. Sie erkennt die Gleichberechtigung aller ehrenhaften Studenten an." In den Statuten der mir nahestehenden Burschenschaften steht: «Jeder ehrenhafte deutsche Student, der die große Matrikel hat, kann Mitglied der Burschenschaft werden." Mit der Aufnahme der Juden