Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Zur Geschichte der Aufnahme von Juden in die deutschen Burschenschaften
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 315 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Aufnahme von Juden rc. 315 zu Protokoll. Diese Festigkeit der Heidelberger war wieder das Verdienst Earove's. (Dich. Neue Beiträge, S. 54.) Die politische Beargwöhnung der Burschenschaften nach Kohebues Mord verursachte eine Verschärfung der Deutschtümelei. Am 26. November 1819 erfolgte die Auflösung der Jenenser Burschenschaft. Die Erbitterung stieg und mit ihr der Einfluß der Christlich-Deuischen. Ihr erster Erfolg war der Beschluß vom 15. Dezember 1819, Juden und Ausländer künftig nicht mehr in die Burschenschaft aufzunehmen. Damit fiel das Heidelberger Prinzip zu Gunsten des Jenenser. (Dich, das., S. 71). Der Burschentag in Dresden (29. Sept.—8. Ok'ober 1820) bestätigte nochmals den Ausschluß der Juden und Ausländer aus der Burschenschaft einstimmig, allerdings mit der sehr dehnbaren Nebenbestimmung, daß sie ausgenommen werden könnten, „wenn erwiesen wäre, daß sic sich christlich-temsch für unser Volk ausbiiden wollten." (Das. S. 73). Aber bereits auf dem Burschentage zu Streiiberg (Oktober 1821) wurde unter dem Vorsitze Erlangens der Beschluß des Ausschlusses von Juden mit der Begründung verschärft, „weil die Juden kein Vaterland haben" (Wiegand, Geschichte der Erlanger Burschenschaft, S. 43). Vergeblich hatte die liberale Würzburger Richtung 1827 das Aufnahmerecht in die deutschen Burschenschaften für Juden gefordert. Erst unter dem Eindrücke der Revolutionen in Frankreich, Polen und Belgien erstarkte der Liberalismus in der deutschen Burschenschaft, sodaß auf demBurschentcnre zu Dresden (4.-8. April 1831) in §25 die Forderung einer „christlich-deutschen Ausbildung" der Burscr cns schäften in die Forderung einer „deutschen Ausbildung" umgewandelt wurde (Wilhelm Kalb, die alte Burschenschaft Erlangen, 1892, S. 89). Der Frankfurter Burschentag (26. September— 4. Oktober 1831) bestätigte die Preis ^ade der „christlich-deutschen" Tendenz und erklärte dann nochmals tne Aufnahme von Juden in die deutschen Burschenschaften ausdrücklich für zulässig (Dietz, Neue Beiträge, S. 73). Prediger vr. Rieger-Hamburg. Zur Ergänzung der obigen Darstellung schreibt uns Herr Dr. xned. Sktarek in Mehlem am Rhein: Ich bin in den 80 er Jahren auf drei Hochschulen Mitglied von A. D. C. Burschenschaften gewesen, habe auch bis heute die Fühlung mit burschenschaftlichen Kreisen nicht ganz verloren und glaube aus eigener Erfahrung von damals und heute genügend unterrichtet zu sein, um eingehend darüber zu berichten.